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weirda                            Satire

 

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Tagebucheinträge einer queeren 3-Jährigen

 

 

35. Septuli 1975

 

„Endlich bin ich 3 Jahre!“ Ich weiß nicht, was mich zu dieser Aussage bewogen hatte, aber ich musste sehr erleichtert gewesen sein. Wahrscheinlich hatte man mir bis dahin Verbotenes in Aussicht gestellt. Drei Jahre meines Lebens hatte ich gelebt, und in diesen drei Jahren war ich immer zu klein und anders gewesen für das Leben auf dieser Welt. Jetzt lief ich in den Garten hinaus. Der Briefträger brachte ein Paket. Das Paket machte interessante Geräusche als man es mir in die Hände legte. Ich schüttelte es. Es würde doch wohl kein Hund sein? Denn den hatte ich mir so sehnlich gewünscht. Aufgeregt, aber behutsam machte ich das Paket auf und riskierte einen Blick in sein Inneres. Es lag eine Puppe darin. Sie hatte langes, blondes Haar, und wenn man sie vornüberbeugte, machte sie einen Laut, der so ähnlich klang wie: Mama. Ich war verunsichert. Nein, eine Puppe hatte ich mir wirklich nicht erträumt. Ich hatte doch schon eine. Und ich wusste eines: Puppen waren keine Lebensgefährten für einen Menschen, war er auch noch so jung. Hunde waren Lebensgefährten, oder Katzen, oder Menschen, aber auf keinen Fall Puppen, und auf gar keinen Fall Puppen, die „Mama“ sagten.

 

 

Weihnachten 1977

 

Im Schein der Kerzen bestaunte ich meinen kleinen blond-goldenen Hund mit den flauschigen Schlappohren. Von einer Batterie betrieben, lief er an einem kurzen Kabel mit kleinen Schritten vorwärts und bellte auf Knopfdruck.

 

(TS)

Ausgabe Nr. 83

September 2014

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