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Vita

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© 2007-2017 weird

Ausgabe Nr. 98

Dezember 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

Rock und Harmonie

 

 

 

 

 

 

Interview

 

 

K‘s Choice

Sarah Bettens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weird: Euer neues Album „Phantom Cowboy“ ist das erste K’s Choice Album in fünf Jahren. Ihr sagt, es sei das schwerste, das ihr je gemacht habt. Was war das Schwerste an allem?

 

Sarah Bettens: Wir ließen uns einfach aus einem sehr speziellen Blickwinkel heraus darauf ein, und entdeckten dann, dass auf diesem Album kein Platz war für akustische Gitarren oder melancholische Melodien. Wir wollten, dass live alles sehr energiegeladen ist und ließen das Album zu einem Block aus gebündeltem, direktem Rock werden. Wir haben uns dabei von Bands leiten lassen, die wir über die Jahre sehr verehren und unsere weichere Seite fürs Erste in den Froster gelegt.

 

 

weird: Das Album klingt auch sehr danach. Rauer, rockiger als die letzten Alben mit der E-Gitarre im Vordergrund. Warum war gerade jetzt für euch die Zeit gekommen wieder rockiger zu werden?

 

Sarah Bettens: Wir hatten gerade zwei Alben veröffentlicht, die weich und intim waren, „Little Echoes“ und „Waving At The Sun“ mit unserem Projekt Bettens. Wir sind sehr stolz auf beide Alben und denken, dass wir einige unserer wohl schönsten Liveshows in diesem Rahmen hatten. Aber nach ein paar Jahren in bestuhlten Konzertsälen, waren wir bereit einen Gang hochzuschalten, aus keinem anderen Grund, als dass es sich nach großem Spaß anhörte. Und wir hatten Recht. Wir haben live so einen Riesenspaß. Es gibt sehr viel Schweiß auf der Bühne (lacht).

 

 

weird: Eure Tour zum neuen Album „Phantom Cowboy“ hat bereits begonnen und geht im Dezember 2015 weiter. Es wird am 2.12.15 auch eine einzige Deutschlandshow, und zwar in Köln geben. Wie habt ihr eure Welt/Europatour geplant und werden ggf. nächstes Jahr weitere Deutschlandkonzerte folgen?

 

Sarah Bettens: Viel davon liegt in den Händen unseres Booking-Agenten und der lokalen Promoter. Wir gucken, wo es Nachfrage gibt, und da gehen wir hin. Wir lieben es live zu spielen, darum gehen wir überall dahin, wo man uns will und es finanziell machbar ist!

 

 

weird: Dein Bruder Gert und du, ihr habt die Songs für „Phantom Cowboy“ gemeinsam geschrieben. Das erste Mal seit Jahren. Aber ihr habt das Schreiben der Texte aufgeteilt. Einige Lyrics schrieb Gert, einige Songtexte sind von dir. Wie viel Sarah steckt in den neuen Songs?

 

Sarah Bettens: Viel Sarah und viel Gert. Ich schrieb mehr Texte für das Album als Gert - aus keinem anderen Grund, als dass es sich einfach so ergeben hat. Songtexte sind persönlich und sehr schwer zusammen zu schreiben, aber musikalisch war es eine wirkliche Gemeinschaftsarbeit. Wir konnten so die Art von Songs schreiben, die wir niemals hätten alleine schreiben können.

 

 

weird: Das Album handelt alles in allem von der Sehnsucht nach Echtheit, eine Thematik, die man auch schon in älteren K‘s Choice-Songs („Believe“, „Live For Real“) immer wieder findet. Warum denkst du, ist - und war es vielleicht immer schon - so ein wichtiges Thema für dich?

 

Sarah Bettens: Vielleicht, weil wir so viel Fake um uns herum sehen und viele Leute, jung und alt, die irgendwie versuchen da reinzupassen. Wenn du älter wirst, erkennst du, dass wahres Glücklichsein nur von dem Punkt kommen kann, wo du ehrlich zu dir selbst bist. Das an sich ist eine Suche, die niemals endet, aber sie ist es wert.

 

 

weird: „Don’t let those bastards drag you down“ (heißt auf Deutsch so viel wie „Lass nicht zu, dass diese Bastarde dich runterziehen“) – Ist diese Textzeile aus eurem neuen Social Media kritischen Song „Perfect Scar“ auch ein LGBTI-Statement oder kann als solches gelesen werden?

 

Sarah Bettens: Ich möchte nicht für meinen Bruder sprechen, denn es ist sein Text. Aber ich glaube, er ist an alle adressiert, die aus irgendeinem Grund nicht wollen, dass du erfolgreich bist. Leute, die sich in ihrer eigenen Situation nicht ringsherum wohlfühlen, finden Trost darin, andere herunterzuziehen; es hebt sie selbst etwas höher.

 

 

weird: Seit 2015 ist die Ehe in den USA offen auch für gleich*geschlechtliche Paare. Hast du deine langjährige Partnerin schon geheiratet?

 

Sarah Bettens: Ja! Wir haben im Juli geheiratet. Grund: Warum nicht? (Lacht)

 

 

weird: Was machst du dieses Jahr zu Weihnachten und Silvester?

 

Sarah Bettens: Ich werde der Kälte entgehen und mit dem erweiterten Familienkreis in Florida Urlaub machen.

 

 

weird: 2015 – Bist du almost happy (Anspielung auf den gleichnamigen Song. Anm. d. Red.), also fast glücklich? Und was wünschst du dir für 2017?

 

Sarah Bettens: Ich bin nicht almost happy, ich bin sehr glücklich. Für 2017 wünsche ich der Welt Mitgefühl und Barmherzigkeit und eine kontinuierliche Suche nach Wegen, wie wir in Harmonie miteinander leben können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (11/2015)

Fotos: Anton Coene (s/w links + rechts unten), Video-Still „Private Revolution“ (oben)

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

Sarah Bettens (Foto links) von K‘s Choice

 

Name: Sarah Bettens

Alter: 43

Beruf: Musikerin, Feuerwehrfrau

Wohnort: Tennessee

Meine weirdeste Eigenschaft: Ich mag Ordnung

 

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Musikerin Sarah Bettens ist Frontfrau der belgischen Indieband K‘s Choice. Gemeinsam mit ihrem Bruder Gert wurde die Band Anfang der 1990er gegründet. 1993, vor 20 Jahren, erschien, damals noch unter dem Bandnamen The Choice, ihr erstes Album. Der internationale Durchbruch gelang ihnen schließlich 1996 als K‘s Choice mit ihrem zweiten Album „Paradise In Me“ und dem Hit „Not An Addict“. In Bielefeld spielte die Band erstmals am 26.10.1995 im damaligen PC 69 als Vorband von Heroes del Silencio. Es folgten zwei weitere Alben bis 2000. 2003 dann kündigte die Band eine Pause an, die Sarah als Sängerin, Songschreiberin und Gitarristin für eine Karriere als Solomusikerin nutzte. 2005 outete sie sich gleichsam mit ihrem ersten Soloalbum „Scream“ öffentlich als lesbisch. Zeitgleich zu ihrem zweiten Soloalbum „Shine“ 2007 erschien dieses Online-Magazin weird, und so kam es, dass Sarah Bettens das erste weird-Interview in weirds Ausgabe Nr. 1 im November 2007 wurde. 2013 erschien unter dem Bandnamen Bettens das Album „Waving At The Sun“. Ein wunderschöner Soundtrack zur filmischen Dokumentation einer Antarktis-Expedition des berühmten Polarforschers Dixie Dansercoer. 2015 gab es mit „Phantom Cowboy“ dann ein neues, siebtes K‘s Choice-Album, auf dem sich die Band rockiger denn je präsentiert.

 

Sarah Bettens lebt mit ihrer Partnerin Stephanie seit über 10 Jahren in den USA. Vor einigen Jahren adoptierten sie zwei Kinder. Im Juli 2015 heiraten die beiden, verriet Sarah Bettens weird im aktuellen Interview. Das, warum es Zeit war für ein rockiges Album, warum Echtheit für sie ein wichtiges Thema ist und was sie sich für 2017 wünscht. Am 2.12.15 ist Sarah Bettens mit K‘s Choice für ein Deutschlandkonzert in Köln.

 

 

Online: www.kschoice.be

 

 

 

K’s Choice

„The Phantom Cowboy“ (Wallaby)

Out: seit 2015

Single: „Private Revolution“

 

Live

2.12.15, 20 Uhr, Kulturkirche, Köln (Einziges Deutschlandkonzert)

 

 

Weitere weird-Interviews mit Sarah Bettens siehe

 

Archiv Ausgabe Nr. 73 November 2013  und

 

Archiv Ausgabe Nr. 1 November 2007

Jan Allain. Live am 14.11.15 im Frauenkulturzentrum Bielefeld. 20 Uhr.Jan Allain. Live am 14.11.15 im Frauenkulturzentrum Bielefeld. 20 Uhr.
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