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Vita

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Ausgabe Nr. 97

November 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

Der richtige Zeitpunkt

 

 

 

 

 

 

Interview

 

Jan Allain

 

 

 

 

 

 

 

weird: In unserem letzten Interview 2010 sprachst du davon, dass du an einem neuen Album arbeitest. 2014 hast du es fertiggestellt. Es heißt „Freedom’s Daughter“. Darauf sind vor allem Songs zu hören, die du vor vielen Jahren schriebst. Was ist dennoch ganz neu?

 

Jan Allain: Auf dem neuen Album sind zwölf Songs, die niemals zuvor veröffentlicht oder auch nur auf die Art und Weise aufgenommen wurden, wie ich sie wirklich wollte. Deshalb ist es ein neues Album. Der einzige Song, den ich zuvor schon einmal aufgenommen habe, ist „Miss You Bad“. Ich wollte den Song funkier und wusste, er würde gut mit einer Liveband funktionieren. Darum habe ich ihn für dieses Album neu eingespielt

Ich habe viele Jahre gewartet, um den richtigen Zeitpunkt und die richtige Situation zum Aufnehmen dieser Lieder zu finden. Sie brauchen viel Aufmerksamkeit und natürlich auch Geld, um sie im Studio aufzunehmen. Letztendlich war das Timing dann perfekt.

 

 

weird: Du hast das Album live und analog aufgenommen. Es hat viel Soul, weniger Folk, manchmal klingt es ein wenig burlesque. Und es klingt sehr weich und sanft, manchmal traurig, mit vielen Balladen. Was sagst du?

 

Jan Allain: Vielleicht würde ich es „akustischen Soul“ nennen. Es handelt sich hauptsächlich um eine Sammlung von Balladen, die verbunden sind durch das Thema Verlust und Loslassen. Es ist ein ernsthaftes Projekt und ich fand, dass die lustigen Songs einfach nicht auf dieses Album gehören. Es gibt ein paar erbauliche Songs auf dem Album, aber meist berührt es die Leute, es bringt sie zum Weinen, was auch toll ist.

 

 

weird: Und dann sind da die beiden letzten Songs „Life Will Win“ und „Song Train“. Folking, lebendig hüpfend, so dass es wie Befreiung und Trost klingt nach einer traurigen Zeit. Wie fügen sich die beiden Songs in das Album ein?

 

Jan Allain: Ich brauchte lange, um die Reihenfolge der Songs auszusuchen und am Ende passte es perfekt.

 

 

weird: Konntest du dich mit all den Texten, die du vor 10, 20, 30 Jahre schriebst, heute noch identifizieren? Hast du ggf. hier und da eine Zeile verändert oder siehst du sie als eine Art „Zeitdokument“.

 

Jan Allain: Die Lyrics bedeuten mir heute so viel wie damals. Tatsächlich haben sie im Studio dann noch einmal eine ganz besondere Bedeutung bekommen. Einige Lieder handeln von verflossenen Liebsten. Meine Mutter starb kurz vor den Aufnahmen zu diesem Album und für mich war es, als könnten die Texte auch vom Verlust meiner Mutter handeln. „Come to me“ aufzunehmen fühlte sich für mich an, als würde ich ein Lied singen, das von mir verlangte, mich mit der Endlichkeit (Kürze) des Lebens abzufinden. Es fühlte sich richtig an, diese Lieder in diesem einzigartigen Moment in meinem Leben aufzunehmen. „Strong Women Cry“ gleich nach dem Tod meiner Mutter zu singen fühlte sich wirklich wahrhaftig an. Es passte alles.  Ich hatte das Studio lange Zeit zuvor gebucht und dann starb sie plötzlich kurz vor den Aufnahmen; das ist einfach, wie es passiert ist. Das Album zu machen, war mir ein großer Trost.

Nein, ich habe im Nachhinein keine Textzeile geändert. Es ist einfach ein Album mit Songs, auf deren Aufnahme ich lange gewartet habe. Als der Moment dann da war, war es der richtige Zeitpunkt.

 

 

weird: Neu ist auch, dass es ein Video zu deinem Song „An Apple Size Golden Clitoris“ (2001), der nicht auf dem Album ist, von Fin McMorran geben wird/gibt. Wie entstand das Projekt und was sehen wir dort?

 

Jan Allain: Ha ha! Fin und ich machten in den Achtzigern zusammen eine Kunsterzieher-Ausbildung in Brighton. Wir sind seit vielen Jahren befreundet, sehen uns jedoch nicht so oft. 2014 trafen wir uns in Brighton und ich habe Fin eingeladen, für dieses Lied einen Film zu machen.

Sehr zu meiner Freude war sie einverstanden. Es war sehr viel Arbeit für sie, machte aber auch eine Menge Spaß. Sie sagt, sie hat es geschafft, weil sie mich „in Gedanken über ihre verrückten Ideen lachen hören konnte“. Sie hatte die Freiheit, den Film auf ihre eigene Art zu machen. Zuerst tauschten wir uns schriftlich über unsere Ideen aus und während sie ihn machte, veränderte sich der Film. Ich vertraute ihr und habe sie ihren eigenen Sinn für Humor ausleben lassen. Sie wusste, ich würde es lustig finden und tatsächlich ist es so. Der Film ist urkomisch. Ich kann die Veröffentlichung kaum abwarten. Ich hoffe, alle meine deutschen Freundinnen und Fans helfen, den Film auf YouTube etc. massenhaft zu verbreiten. (Das Video ist seit dem 14.10.15 auf YouTube online. Anm. d. Red.)

 

 

weird: „Sometimes heroines are cowards, they wear their courage like a mask“ („Manchmal sind Heldinnen Feiglinge, sie tragen ihren Mut wie eine Maske“) singst du in einem deiner Songs auf dem neuen Album. Was ist deine persönliche Heldinnensuperkraft?

 

Jan Allain: Oooh, das ist eine schwere Frage. Ich glaube, ich habe die Stärke, mit meiner Verletzlichkeit klarzukommen und sie in Balance zu halten. Das ist vielleicht meine größte „Superpower“.

 

 

weird: Wann bist du selbst ein Feigling und wann brauchst du die Superkraft?

 

Jan Allain: Ich bin ein Feigling, wenn es um große Spinnen geht und darum, in kaltes Wasser zu gehen. Meine größte Heldentat ist, dass ich es einfach nicht tue. Tja, Leute, so einfach ist das  :)

 

 

weird: Welche Superkraft hättest du gerne?

 

Jan Allain: Ich wollte immer fliegen können. Es wäre so einfach, in der Welt herumzukommen; mir gefällt die Vorstellung, die Dinge auf diese Art zu sehen. Ich könnte herabsinken und Kinder herumfliegen. Ich träume recht oft, dass ich fliegen kann. Ich würde so gerne zurückreisen und meine Mutter als Kind sehen und meinen Vater als Jungen, würde gern in den Straßen meiner Kindheit von vor 100 Jahren stehen. Ich würde nicht zu weit zurückreisen.

 

 

weird: 2014 warst du für zwei Konzerte in Deutschland, im März 2015 für drei. Jetzt wird es zwei weitere Konzerte am 6.11.15 in Göttingen und am 14.11.15 im Frauenkulturzentrum in Bielefeld geben. Wie war es für dich nach Jahren wieder in Deutschland zu sein und wie war vor allem die Reunion mit deiner langjährigen früheren musikalischen Partnerin Ilse de Ziah?

 

Jan Allain: Es war wundervoll und emotional, meine Songs wieder mit Ilse zu spielen. Sie ist eine extrem gute Cellistin und jetzt auch Komponistin. Sie beeindruckt mich immer wieder mit ihren musikalischen Projekten, Filmen und Bühnenshows.

Ich liebe es, in Deutschland Konzerte zu geben und würde gern noch mehr davon machen jetzt, wo das neueste Album raus ist.

 

 

weird: Für 2017 planst du „Kitchen Gig“-Tour durch Deutschland, wobei du bei den Leuten zu Hause in der Küche oder im Garten spielen willst … Das hört sich nach Spaß für deine Fans an!? Gibt es schon Buchungen?

 

Jan Allain: Nun ja, sie haben vielleicht noch nicht gemailt, aber ich kann mir von vielen meiner deutschen Freundinnen vorstellen, dass sie gerne ein Konzert in ihrer Küche veranstalten würden. Ich weiß schon jetzt, dass es immens viel Spaß machen wird, wenn es erst mal so weit ist. Ich brauche nur noch ein Gefährt und eine kleine PA und mich auf den Weg zu machen. Bis bald also …!

 

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (10/2015)

Übersetzung Antworten Jan Allain: Susanne Golnick

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

Name: Jan Allain

Alter: Mindestens 500.000 Stunden (Anmerkung: die Übersetzerin hat nachgerechnet und verblüfft festgestellt, wie genau das hinkommt!)

Beruf: Kreativ sein und Freude verbreiten!

Wohnort: Auf diesem zauberhaften kleinen Planet namens Erde in Brighton & Hove

Meine weirdeste Eigenschaft: Ich schlafe mit meinem Hut auf!

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Die lesbische Britin Jan Allain ist seit über 30 Jahren als Singer/Songwriterin und Gitarristin aktiv. Bereits 1982 gewann sie vor Suzanne Vega die „New York Folk City Songwriters Night“. Rund 20 Jahre später – 2001 – spielte sie u. a. als Support für Aimee Mann - und in Bielefeld. Im November 2010 war sie zuletzt auf Einladung von weird bei „Bielefeld hat seine Tage“ im Zweischlingen. Jetzt ist sie wieder da. Und das mit einem ganz neuen Album. Es ist das achte Album in ihrer Karriere und heißt „Freedom‘s Daughter“. Gemeinsam mit ihrer Liveband hat sie ihre schon älteren, aber bislang unveröffentlichten wunderschönen Balladen und groovigen Soul- und Folksongs eingespielt. Jan Allain war nach vielen Jahren 2014 erstmals wieder live in Deutschland. Am 14.11.15 kommt die wunderbare Musikerin und Songschreiberin, die vor allem live durch ein hohes Maß an Können, Kunst und Professionalität überzeugt, jetzt zu einem Konzert ins Frauenkulturzentrum Bielefeld. Ihre Songs handeln auf eindrucksvolle, selbstverständliche wie verständliche Weise von der Liebe und lesbischem Leben. Zu ihren lesbischen Hits und Klassikern gehören u. a. „Big Boots“, „Pearl In The Wreckage“ und „Apple Size Golden Clitoris“. Zu Letzterem gibt es seit Mitte Oktober 2015 ein ganz neues Video, erstellt von der Künstlerin Fin McMorran. weird sprach im aktuellen E-Mail-Interview mit Jan Allain über ihr neue Album, alte Songs, ihr Reunionkonzert 2014 mit Ilse de Ziah und geheime Superkräfte.

 

Online: www.janallain.com

 

 

 

Jan Allain

„Freedom‘s Daughter“

Out: seit November 2014

 

 

Live:

_Jan Allain, Konzert, Frauenkulturzentrum, Bielefeld, 20 Uhr, 14.11.15

 

_Jan Allain, Konzert, Nörgelbuff, Göttingen, 21 Uhr, 6.11.15

 

 

Weiteres weird-Interview mit Jan Allain s. Archiv Ausgabe Nr. 37 November 2010

 

 

Jan Allain. Live am 14.11.15 im Frauenkulturzentrum Bielefeld. 20 Uhr.

Live am 14.11.15 im Frauenkulturzentrum Bielefeld

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