|
Das Stadtmagazin für lesbische Frauen in Bielefeld |
|
Bielefeld hat seine Tage
Interviews
Jan Allain
und
Anika Hoffmann
weird: Jan, du arbeitest nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder an einem neuen Studioalbum. Worauf dürfen sich deine Fans und alle anderen freuen?
Jan Allain: Mein nächstes großes Studioalbum werde ich im Dezember 2010 in London aufnehmen. Ich bin deswegen sehr aufgeregt. Ich arbeite gerade an den Arrangements. Das Studio ist gebucht, die Band zusammengestellt und es gibt kein Zurück mehr. Mein letztes Album „ASGC“ liegt etwa zehn Jahre zurück. Hmm, das kommt wir vor wie eine Ewigkeit.
Das neue Album ist eine Zusammenstellung von großen Balladen und anderen Songs, die mich eine Weile begleitet haben. Es sind Songs, die ich absichtlich nicht vor zehn Jahren veröffentlichte, sondern bei denen ich mich entschieden habe, es später zu tun. Und ich bin froh über diese Entscheidung, denn die Bedeutung der Songs für mich hat sich verändert, sie bedeuten mir jetzt mehr.
Ich bin gesegnet, einige sehr talentierte wundervolle Musikerfreunde zu haben, meine ‚musikalische Familie’. Die Instrumentierung umfasst Schlagzeug, Percussion, verschiedene Bässe, Piano, Orgel, Streicher und andere magische Dinge. Die Palette der Sounds wird nicht so weitreichend sein wie auf dem Album „Pearl In The Wreckage“, aber sie wird die Songs stützen. Ich sehe die Instrumentierung als ‚Nest’, die Stimme als ‚Ei‘.
Der Titel für das Album steht noch nicht fest. Ich freue mich aber sehr darauf, einige der Songs vom neuen Album live beim Konzert im November 2010 in Deutschland, in Bielefeld zu spielen.
weird: Wenn du - wie Anika Hoffmann - ein Comedian wärst … du bist ja bekannt für deine humorvollen Bühneneinlagen …, wie würde dein Programm heißen?
Jan Allain: Mein Titel für mein Stand up-Programm würde wahrscheinlich ein Wortspiel sein. Irgendwas wie ‘Maid In England’ - so viel ich weiß heißt ‘maid’ auf Deutsch ‘Fräulein’. Ich bin begeistert von guten Stand up-Comedians. Lachen ist ehrlich gesagt ziemlich weird. Ich selbst bin ein Geschichtenerzähler. Ich bin mit den wahren komischen Geschichten aufgewachsen, die meine Eltern mir erzählten. Auch meine Geschichten, die ich erzähle, sind immer wahr. Es macht mir nichts aus, aus mir einen Narren zu machen und Spaß zu haben.
weird: Was kannst du außer Musik und Spaß machen noch besonders gut?
Jan Allain: Ich bin gut im Abwaschen. Meine deutsche Managerin hatte ein Poster in ihrer Küche, auf dem stand: ‚Jede Küche braucht eine Jan’. Auf Tour habe ich, wo wir auch gerade waren, immer den Abwasch erledigt – na ja, nicht immer, aber sehr oft. Abwaschen hat mir das Gefühl gegeben zu Hause zu sein. Eine Spülmaschine der Damen ist sogar nach mir benannt. Mir wär’s ja lieber, man würde eine Musikschule nach mir benennen, aber nun!
weird: Was bedeutet lesbisch zu sein für dich?
Jan Allain: Lesbisch sein bedeutet mir selbst treu zu sein, ganz zu sein, ich zu sein. Wenn Leute nicht zu ihren Gefühlen stehen können, leiden sie sehr schwer darunter. Darum müssen Menschenrechte weltweit in Hinblick auf sexuelle Orientierung umgesetzt werden. Leute, die aufgrund ihrer Homosexualität in ihren eigenen Ländern verfolgt werden und nach Asyl suchen, sollten woanders beschützt und ihnen sollte Obdach gewährt werden, während der Kampf für die Menschenrechte weitergeht. In Großbritannien wurde gerade per Gerichtsentschluss veranlasst, dass zwei homosexuelle Afrikaner in Großbritannien bleiben dürfen. Das war ein Markstein.
weird: 2001 warst du das letzte Mal in Bielefeld zu Gast. Erinnerst du dich?
Jan Allain: Bestimmt. Da müsste ich aber besser erst mal noch mal nachschauen ...
weird: Anika, du bist selbst Gastgeberin einer Frauenbühne in Berlin, stehst also sowohl auf als auch hinter der Bühne. Was bringt deinen Adrenalinspiegel mehr in die Höhe?
Anika Hoffmann: Egal ob Gastgeberin oder Show-Act, sobald ich kurz davor bin, die Bühne zu betreten, ist der Adrenalinspiegel am Limit. Mit Betreten der Bühne hab ich nur ein Ziel … das Publikum zu begeistern. Da man dieses aber nicht kennt, ist es immer wieder aufregend schön!!
weird: Wenn du - wie Jan Allain - ein Konzert geben solltest, welche Musikrichtung wäre es und was für ein Instrument würdest du spielen?
Anika Hoffmann: Rock … und ich würde klassisch „Luftgitarre“ spielen!! (Lacht)
weird: Was bedeutet lesbisch zu sein für dich?
Anika Hoffmann: Gegensätzlich zur Bühne, definiere ich mich privat nicht über mein Lesbisch sein. Lesbisch zu leben bedeutet jedoch für mich ein Stück weit Freiheit, Andersartigkeit und vielfältig zu sein.
weird: Was kannst du so überhaupt gar nicht?
Anika Hoffmann: Geduldig puzzeln, gut nähen und auf Stöckelschuhen laufen.
weird: Was fällt dir als Erstes ein, wenn du ‚Bielefeld’ hörst?
Anika Hoffmann: Die Bielefeld Verschwörung. (Lacht)
Interviews: Christine Stonat (10/2010)
|
|
Seit über 25 Jahren gehört Jan Allain (Foto links) zu Großbritanniens Top-Singer/Songwriterinnen. Bereits 1982 gewann sie vor Suzanne Vega die „New York Folk City Songwriters Night“. Rund 20 Jahre später – 2001 – spielte die offen lesbische Musikerin aus London u. a. als Support für Aimee Mann - und in Bielefeld. Das renommierte Rolling Stones Magazine bezeichnet Jan Allain einst als das „best gehütete Songwriting Geheimnis“. Vielleicht ist sie das bis heute geblieben - ein Geheimtipp, der es schafft, die Clubs auszuverkaufen und mit seiner einzigartigen Folkmusik zu begeistern. Ihre wundervollen Songs handeln auf eindrucksvolle, selbstverständliche wie verständliche Weise von der Liebe und lesbischem Leben. Zu ihren Hits gehören „Big Boots“ und „Pearl In The Wreckage“. Jetzt ist Jan Allain zurück und freut sich bei ihrem einzigen Deutschland-Konzert 2010 darauf ihre zahlreichen deutschen Fans wiederzusehen. Jan Allain lebte viele Jahre selbst in Deutschland. Heute lebt sie wieder in ihrer Heimat – in London und Brighton – und arbeitet dort an ihrem seit Jahren ersten neuen Studioalbum.
1985 in Thüringen geboren und aufgewachsen zog Anika Hoffmann (Foto rechts) nach dem Abitur zunächst für sechs Jahre nach Bremen, um dort u. a. eine Ausbildung zur Polizeikommissarin zu probieren. Aber ihr komisches Talent war stärker, daher legte sie die Waffe frühzeitig nieder. Seit 2010 lebt die 25-Jährige in Berlin. Mit ihrem ersten Programm „Eine Lesbe singelt um die Welt“ steht sie seit 2009 auf der Bühne und begeistert damit ihr homo- wie heterosexuelles Publikum - u. a. bereits bei Cindy aus Marzahns Talentschmiede im Quatsch Comedy Club. Bei ihrer eigenen Frauenbühne „Rauschgolden Girls“ ist sie aber auch regelmäßig selbst Gastgeberin für andere talentierte Damen.
weird holt die beiden offen lesbischen Künstlerinnen am 3. und 4.11.10 live nach Bielefeld! Vorab beantworteten sie weird aber noch kurz ein paar Fragen.
Live: Bielefeld hat seine Tage: Die lesbischen Kulturtage für alle Kulturinteressierten Anika Hoffmann, 3.11.10, 20 Uhr, Zweischlingen Jan Allain, 4.11.10, 20 Uhr, Zweischlingen, Bielefeld
Online: www.janallain.com www.anikahoffmann.de www.bielefeld-hat-seine-tage.de |
|
Seite 1 |
|
Vita |
|
Ausgabe Nr. 37 November 2010 |

|
Archiv |
|
Ihr befindet euch im Archivbereich:
Ausgabe Nr. 37 November 2010 |
|
3 Jahre Nov. 2007 - Nov. 2010 |
|
© 2007-2012 TS |
|
Anzeige |
|
weird RSS News Feed |
|
weird YouTube-Kanal |
|
weird auf Facebook |

