Eine Marke für sich

 

 

Interview

 

Julie Goldman

                    &

Brandy Howard

 

 

 

 

weird: Ihr seid gerade dabei ein lesbisches Filmprojekt namens „The Nicest Thing” an den Start zu bringen. Ihr habt die Story und ihr habt bereits tolle Schauspielerinnen und Schauspieler für das Projekt gewinnen können. Wie ist der momentane Stand der Dinge?

 

Julie & Brandy: Im Moment arbeiten wir mit einem Produzenten namens Judson Jackson. Gemeinsam mit ihm suchen wir aktiv nach Investoren. Wir werden nicht mit der Produktion beginnen bis wir das gesamte Budget zusammenhaben. Zurzeit sind wir bei einem Budget von 750000 US-Dollar, was schon ziemlich annehmbar ist. Ihr könnt eure Leserinnen wissen lassen, dass wird Traveler Checks, Kreditkarten, Schecks und Bargeld einschließlich Euro annehmen (grinsen).

 

 

weird: Ich habe gelesen, dass Amanda Bearse (bekannt als Marcy aus „Eine schreckliche Familie”, offen lesbisch, Anm. d. Red.) Regie führen soll. Was ist da dran?

 

Julie & Brandy: Amanda war für dreizehn Monate als Regisseurin mit uns verbunden und half uns sehr bei der Entwicklung und dem Umschreiben des Drehbuchs. Leider kam ihr Zeitplan mit unserem ins Gehege und unsere Wege trennten sich. Es war sehr enttäuschend, denn sie ist extrem begabt. Jetzt stellen wir Carol Leifer (US-Comedian, Autorin und Produzentin, u. a. „Seinfeld“, Anm. d. Red.) nach, dass sie unsere neue Regisseurin wird. Irgendwelche Hinweise?

 

 

weird: Ihr stellt auf eurer Website zum Film deutlich klar, dass ihr einen lesbischen Film für alle machen wollt, eine Holllywood-Komödie für ein klassisches, großes Kinopublikum, und dass es dabei wichtig ist Heterosexuelle zu „integrieren“ und homosexuelle Lebensweise als völlig alltäglich darzustellen. Ihr seid mit eurem offensiven Vorgehen und eurer Herangehensweise durchaus Vorreiterinnen. Könnt ihr kurz euer Filmprojekt skizzieren!?

 

Julie & Brandy: Der Film „The Nicest Thing“ ist eine klassische Romantik-Komödie, die das Publikum lieben wird. Er hat all die Handlungs- und Strukturmerkmale, die einen klassischen Studiofilm ausmachen. Der einzige Unterschied ist, dass es um eine gleichgeschlechtliche Romanze geht anstatt um den Mann/Frau-Standard, den jeder schon millionenfach gesehen hat. Wir erwähnen, dass es ein klassischer Studiofilm wird, weil wir unseren Film von der Unzahl lesbischer Independent Filme abgrenzen wollen. Unser Budget mag klein sein, aber unser Drehbuch beinhaltet als das, was eine große Romantik-Komödie ausmacht. Es gibt keine homosexuelle Angst in diesem Film. Niemand outet sich, niemand stirbt und niemand kämpft mit seiner Sexualität. Die Geschichte hat viele überraschende Drehungen und Wendungen, und – damit ist nicht zu viel verraten – sie lässt sich am besten mit unserer offiziellen Ankündigung zusammenfassen: „Als Jordan, eine wenig erfolgreiche Musikerin, nach zehn Jahren nach Hause zurückkehrt und feststellt, dass ihre Highschool-Liebe Abby heiratet, erkennt sie, dass die Liebe, die sie niemals haben zu können glaubt, in Wirklichkeit das absolut Schönste sein könnte“ – „The Nicest Thing“ eben. Julie wird Jordan und Brandy Abby spielen.

 

 

weird: Könnt ihr auch etwas zu den Schauspieler_innen sagen, die ihr für euren Film gewinnen konntet!?

 

Julie & Brandy: Die größten Namen, die wir festmachen konnten, außer unseren eigenen (lachen), sind Tammy Etheridge (Ehefrau von Musikerin Melissa Etheridge, u. a. „D.E.B.S.“, „The L Word“, Anm. d. Red.), Sharon Gless (u. a. „Cagney & Lacey“, „Queer As Folk“, „Hannah Free“, Anm. d. Red.) und Guinevere Turner (u. a. „The Watermelon Woman“, „The L Word“, „Chasing Amy“, „Itty Bitty Titty Committee“, Anm. d. Red.) Dazu haben wir weitere bekannte Gesichter. Es ist extrem schwierig Leute zu bekommen. Wir haben jede unserer vereinten Quellen ausgeschöpft, um Leute wie Tammy, Sharon und Guinevere zu erreichen, und das ist erst die halbe Miete. Wenn wir es geschafft hatten, das Drehbuch zu den Schauspieler_innen zu bekommen, mussten die es aber auch erst mal lesen und mögen bevor sie ja sagen konnten. Du kannst dir nicht vorstellen wie schwer es ist, Schauspieler dazu zu bekommen, ein Script zu lesen. Wir hatten Glück, dass alle Leute, denen wir es gaben, sich direkt in das Drehbuch verliebt haben. Es gab nur wenige, auf die wir verzichten mussten. Das Problem war, an die Leute ranzukommen, mit denen wir arbeiten wollten. Unlängst haben wir das Script den Indigo Girls (offen lesbisches US-Musikduo, Anm. d. Red.) zukommen lassen. Wir warten noch auf ihre Antwort. Die Geschichte ist sehr Musik gesteuert und wir würden sterben, um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Der Titel „Nicest Thing“ ist übrigens ein Song von Kate Nash, der den Film inspiriert hat. Julies Charakter singt ihn am Ende.

 

 

weird: Wann könnte der Film fertig sein?

 

Julie & Brandy: Unser Produzent hat uns versichert, dass die Finanzierung innerhalb dieses Jahres noch stehen wird und wir starten können, sobald wir das Geld haben. Wenn das geschieht, dann könnte der Film frühestens im Januar 2011 in die Kinos kommen. Der Produzent hat zehn Monate und dann wird er gefeuert (lachen).

 

 

weird: Aber ihr sagt auch, einen Film zu machen sei die Hölle. Welcher Teil ist am härtesten?

 

Julie & Brandy: ALLES! Einen Film zu produzieren ist harte Arbeit, aber auch sehr lohnend. Ehrlich gesagt, ist der Geldteil der härteste Teil. Leute dazu zu kriegen, Geld zu investieren, ist nicht möglich. Deshalb sind Börsenmakler solche immensen Arschlöcher.

 

 

weird: Der schwule Hollywoodfilm „Brokeback Mountain” war ein Vorreiter für einen großen queeren Film. Der Film hatte mit Ang Lee aber auch einen sehr namhaften Regisseur. Aber was kam danach? Könnte z. B. ein lesbischer Film von Starregisseur_innen wie Steven Spielberg oder Nancy Meyers einen Unterschied machen?

 

Julie & Brandy: Diese Frage hat viele Ebenen und wir könnten uns den ganzen Tag lang mit dem Thema ‚homosexuelle Filme und was sie erfolgreich oder nicht erfolgreich macht‘ befassen. In Kürze: Ja. Wenn Steven Spielberg oder Nancy Meyers einen lesbischen Film machten, würde es natürlich einen Unterschied machen. Steven Spielberg könnte jedoch eine lesbische Version von „Brokeback Mountain“ machen und es würde dieselbe Wirkung haben wie das Original. Es sind die Geschichten der Filme und wie sie erzählt werden, was sich grundlegend ändern muss. „Brokeback Mountain“ hat dasselbe alte homosexuelle Angst-Motiv wie alle anderen lesbisch-schwulen Filme auch. Filme mit solchem Inhalt ebnen der Community nicht wirklich den Weg. Sie werden nicht Geschichte schreiben und die Filme sein, die die Zukunft von lesbisch-schwulem Erzählstoff und Filmemachen verändern.

 

 

weird: Man kennt vor allem dich, Julie, auch in Deutschland. U. a. aus dem Film „Out At The Wedding“, aber du bist auch Teil der „Big Gay Sketch Show“, die bei uns auf dem schwulen Sender Timm lief. Bist du noch Teil der Show?

 

Julie: Es ist aufregend zu erfahren, dass den Deutschen die „Big Gay Sketch Show“ Spaß macht! Ich bin immer noch stolzes Mitglied der Show und unsere neue Staffel läuft am 13. April 2010 in den USA auf unserem lesbisch-schwulen Kanal LOGO an.

 

 

weird: Du machst zudem Solo-Stand-up-Comedy, bist Musikerin, in welcher deiner beruflichen Rollen vom Schreiben bis Schauspielen fühlst du dich am wohlsten?

 

Julie: Ich fühle mich mit allen gleich verbunden. Jede Rolle hat ihre eigenen Herausforderungen und Entlohnungen. Und ich bin in allen gleich durchschnittlich (lacht). Ich liebe Musik, genauso wie Schauspiel und Stand-up, doch letztendlich möchte ich mein Geld damit verdienen, Projekte zu kreieren und zu generieren, die nicht unbedingt Transportmittel für mich sind. Ich möchte Sachen schreiben und produzieren, an die ich selbst glaube, aber ich muss nicht der Star sein.

 

 

weird: Wie lange arbeitet ihr schon zusammen? Ihr bezeichnet euch selbst ja als „Schreibpartner”.

 

Julie & Brandy: Wir sind seit zwei Jahren Freundinnen, Schreib- und Geschäftspartnerinnen. Wir haben „The Nicest Thing“ innerhalb von sechs Monaten geschrieben. Seitdem haben wir ein Drehbuch für eine Gay-Zombie-Komödie namens „Gay Baby Army“ fertig und arbeiten derzeit an unserem dritten Drehbuch, einer Adam Sandler-mäßigen Komödie namens „Jewish Camp“.

 

 

weird: Wie habt ihr euch kennen gelernt?

 

Julie & Brandy: Wir trafen uns durch einen gemeinsamen Freund bei der „Big Gay Sketch Show“ und taten uns aufgrund unserer gemeinsamen Liebe für Comedy und unseren Hass für diesen Freund zusammen.

 

 

weird: Seitdem macht ihr eigentlich fast alles gemeinsam (lacht). „Julie & Brandy“ ist das schon jetzt eine bekannte Marke?

 

Julie & Brandy: Uns als eine bekannte Marke zu bezeichnen, würde das Ganze wohl etwas sehr dehnen. Wir sind selbstverständlich da draußen, um zu versuchen uns ein Markenzeichen zu geben und wir machen etwas Fortschritte, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns. Aber, hey – wir haben es den ganzen Weg bis nach Deutschland geschafft!

 

 

weird: Im Februar 2010 habt ihr eure neue lesbische Webserie „Julie & Brandy. In Your Box Office“ gestartet. Darin stellt ihr neue Hollywoodfilme vor, kommentiert sie und spielt Szenen nach. Aus „Avatar“ habt ihr in der ersten Episode z. B. „Gayvatar“ gemacht. Das Ganze ist wirklich sehr schräg, sehr weird (lacht). Wie kommt man auf so eine Idee?

 

Julie & Brandy: Eigentlich sind wir an Autostraddle, die lesbische Website, die die Serie zeigt, herangetreten mit unserer Idee für die Reality Show, in der es darum gehen sollte, wie wir versuchen unseren Spielfilm zu machen. Letztendlich machten wir diese Show aber mit einem anderen Produktionsteam und haben uns da ganz auf das Fernsehen konzentriert. Deshalb hatten wir was das Internet anging eine Lücke frei. Wir haben ein bisschen etwas zusammengerührt und heraus kam eine günstige, recht einfache Webserie, die niedrige Produktionskosten (oder keine) hat und dabei immer noch charmant ist. Der ‚Nachspiel‘teil der Show ist aus purer Langeweile heraus geboren. Sendungen mit Filmkritiken wurden schon bis zum Erbrechen gedreht, wir wollten auf jeden Fall etwas Schräges machen, etwas, das „weird“ ist.

 

 

weird: Gibt’s noch schrägere Sachen, die ihr in eurer Karriere gespielt habt oder spielen musstet? Was war denn das Schlimmste?

 

Brandy: Diese Jahr musste ich einen Cheerleader in einem Tornado für einen Auto-Werbespot spielen. Sie haben einen Tornado simuliert, in dem sie Wind von über 80 km/h in einem Staubkessel erzeugt haben, in dem ich rumlaufen musste. Ich würde das jederzeit wieder machen. Für Geld tue ich alles.

 

Julie: In der 2. Staffel der „Big Gay Sketch Show“ habe ich Big Edie Beale (Edith Ewing Bouvier Beale 1895-1977, die isoliert mit ihrer Tochter in Grey Gardens lebte. Ihr Leben dort wurde auch verfilmt, Anm. d. Red.) in einem extrem überzogenen Sketch gespielt. Ich musste Stunden in einem ‚Nacktanzug’ verbringen. Ein Nacktanzug ist genauso aufschlussreich als wär‘ man nackt. Er ist hauteng und fleischfarben und ich würde in der Öffentlichkeit lieber keinen tragen wollen. Aber auch ich würde das noch mal machen. Für die neue Staffel musste ich genau denselben Nacktanzug wieder anziehen, aber diesmal haben sie mich darin duschen lassen.

 

 

weird: Was sind eure persönlich schrägsten Eigenschaften?

 

Julie: Ich genieße es von Herzen Fleisch vom Knochen abzunagen, mein Lieblingsteil ist der Knorpel. Das ist wahr. Ich bin buchstäblich besessen davon, den Knorpel von Knochen zu kauen und wenn ich mit anderen Leuten zum Essen gehe, muss ich ihre Knorpel auch haben.

 

Brandy: Mich macht der Geruch von Hundedosenfutter hungrig.

 

 

 

Interview: Christine Stonat (2/2010)

Julie Goldman (Foto rechts, „Die Sopranos“, „Out At The Wedding“, „Big Gay Sketch Show“) und Brandy Howard (Foto links) sind Schauspielerinnen, Drehbuchautorinnen und Comedians. Die beiden kongenialen US-Amerikanerinnen leben in Los Angeles und kämpfen dort seit zwei Jahren gemeinsam mit ihren Mitteln für die lesbisch-schwule Gleichberechtigung. Zuletzt gab es sie fast nur noch im Doppelpack, und sie sagen über sich, dass eine das Beste in der jeweils anderen zum Vorschein bringt. Und weil sie beide denselben Sinn für schrägen, weirden Humor teilen und die Zusammenarbeit so gut funktioniert, haben sie auch gleich mehrere gemeinsame aktuelle Projekte. Eines davon ist der lesbische Spielfilm „The Nicest Thing“, eine romantische Komödie im großen Hollywood-Stil. Alles über den Film, die namhaften Akteurinnen, darunter die wunderbare Sharon Gless, alles über ihre Leidenschaft für Knorpel und Hundefutter und noch viel mehr verrieten Julie und Brandy weird jetzt im Interview. Klar, dass das in Teilen auch ziemlich schräg verlief … und mit Verspätung eintraf, weil die Damen an Bord des Olivia-Lesbenkreuzfahrtschiffs in Honduras und Belize ihren Film promoten wollten und bald all den Annehmlichkeiten des L-Bootes verfallen waren … Für das weird-Interview war da natürlich erst später Zeit! Wir finden jedoch, das Warten hat sich gelohnt.

 

 

Online:

http://juliegoldmanisreallypretty.blogspot

www.nicestthingthemovie.com

www.autostraddle.com/video (Julie & Brandy: In Your Box Office)

Ausgabe Nr. 30

April 2010

Seite 1

Vita

weird

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Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

 

Name: Brandy Howard (links)

Alter: Meine Eltern haben meine Geburtsurkunde verloren, aber wir denken, ich bin so um die 65-66

Wohnort: Los Angeles, Kalifornien

Beruf: Sich beschweren. Ich tue mich sogar dadurch hervor, dass ich anderen sage, was sie tun sollen, um mich dann darüber zu beschweren.

 

 

Name: Julie Goldman (rechts)

Alter: Ich denk’ nicht dran!

Wohnort: Hollywood, Kalifornien

Beruf: Drecksack

 

Textfeld: Julie Goldman

Brandy Howard

Julie Goldman: „I heartily enjoy meat on the bone and my favorite part is the cartilage. This is true. I’m literally obsessed with eating the cartilage off of bones and if I go out to eat with other people - I must have their bone cartilage too.”

Brandy Howard: „The smell of canned dog food makes me hungry.”

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Ausgabe Nr. 30

April 2010

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