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Alles Kunst

 

 

 

 

 

Interview

 

Butterscotch

 

 

 

 

 

 

weird: Du hast gerade dein Video für deinen neuen Song „Accept Who I Am“ fertig gestellt. Die Veröffentlichung folgt. Es ist ein sehr persönlicher Song über deine eigene Geschichte. Kannst du etwas darüber und über die Entstehung des Songs und des Textes erzählen?

 

Butterscotch: Ich schrieb diesen Song, um meine Geschichte zu erzählen wie ich an Depressionen litt bis ich ca. 20 war, mit all dem Schmerz während meiner Zeit als Teenagerin. Als ich über meine Depression hinweg war, fühlte ich mich als lesbische bi-racial Frau von der Gesellschaft unterdrückt. Die Unterhaltungsindustrie ist ein hartes Pflaster, um sich vor Kritik zu verstecken. Mir wurde gesagt, ich solle mir meine Haare nicht abschneiden, mich weiblicher verhalten, damit mich mehr Leute mögen. Dieser Text ist über all das, was mich ärgert und darüber, dass Leute sich so frei fühlen, dass sie über andere urteilen, ohne zu gucken, was in ihrem eigenen Leben falsch läuft. Das Ende des Songs ist optimistischer im Hinblick darauf wie wir zusammenkommen und diese Welt zu einem Ort des Akzeptierens machen können.

 

 

weird: Das Video, so sagst du selbst, ist weniger düster, sondern heller, strahlender. Also unterstützt die Botschaft im Video den Text und ist zugleich die Fortsetzung der Geschichte!?

 

Butterscotch: Das Video setzt den Kampf mit mir selbst und all den Stimmen, die mich niedergemacht haben, stilistisch in Kontrast. Und es bewegt sich in einen leichteren, helleren Raum, wo ich mich selbst akzeptiert habe und mit meinem Leben im Reinen war.

 

 

weird: Beeinflusst war die Arbeit u. a. die deutsche Tänzerin und Choreographin Pina Bausch. Was genau ist es, was dich an ihr und ihrer Arbeit inspiriert?

 

Butterscotch: Die Regisseurin und Choreographin des Videos Mary John Frank war von Pina Bausch beeinflusst, und ich liebe es, mir ihre Choreographie anzusehen und wie sie sich von all dem, was ich bisher gesehen habe, unterscheidet. Ich gebe zu, (außer Sport) habe ich nicht viel Tanz- oder Bewegungserfahrung. Mit den Tänzer_innen zu arbeiten, war daher eine sehr große Herausforderung für mich. Aber ich glaube, es hat Emotionen und Bewegungen aus mir herausgeholt, von denen ich nicht wusste, dass ich sie besaß.

 

 

weird: Mit dem Song und Video erzählst du nicht nur deine persönliche Geschichte, du sagst auch, dass du damit andere Menschen empowern willst, die in Angst und Unsicherheit leben in Hinblick darauf wer und wie sie sind. Warum war auch das dir wichtig?

 

Butterscotch: Ich will definitiv, dass so viele Menschen wie möglich den Song hören. Jedes Mal, wenn ich ihn live spiele, kommen Leute zu mir, manchmal sogar weinend, weil sie eine ähnliche Lebensgeschichte haben. Ich möchte, dass die Leute wissen, dass sie alle besonders und einzigartig und nicht alleine sind. Ich habe früher 2Pac und Lauryn Hill gehört, um durch meine schwersten Tage zu kommen. Wenn ich auch nur einer Person helfen kann, bin ich glücklich.

 

 

weird: „Accept Who I Am“ – ist das auch eine queere Botschaft, identifizierst du dich als queer?

 

Butterscotch: Ja, ich identifiziere mich als queer.

 

 

weird: Gibt es einen Grund, warum du deine Geschichte mit diesem Song gerade zu diesem Zeitpunkt öffentlich machst?

 

Butterscotch: Ich schrieb den Song im letzten Jahr und traf mich dieses Jahr mit der Regisseurin, also geschah es aufgrund zeitlicher Gegebenheit. Aber ich glaube auch daran, dass alles seine spezielle und konkrete Zeit hat. Mental und physisch bin ich am stärksten Punkt meines Lebens, und das letzte Jahr hat mir mein ganzes Potential gezeigt. Ich werde alles daransetzen, um sich künstlerisch auf die nächste Stufe zu bringen.

 

 

weird: Du sagst, deine Kunst habe dir aus deinem „ungesunden Umfeld“ geholfen und dabei Akzeptanz zu finden. Würdest du sagen, dass dir deine Kunst das Leben gerettet hat?

 

Butterscotch: Kunst hat definitiv mein Leben gerettet. Ich war suizidal, ich hatte gerade eine Kniebehandlung wegen einer Sportverletzung, war dabei die Schule zu beenden und auf ein langweiliges Community College zu gehen und war nicht sicher, was kommen würde. Aber dann wurde ich an einer Kunsthochschule in Sacramento, Kalifornien, angenommen, und von da an begann sich meine Kreativität auszuweiten.

 

 

weird: Du bist die beste Beatboxerin der Welt, oder (lacht)!? Du hast die Beatboxing Weltmeisterschaft in recht jungen Jahren gewonnen. Wann und wie hast du gemerkt, dass du diese besondere Begabung hast?

 

Butterscotch: Es gibt viele unglaublich tolle Beatboxer_innen in der Welt und wir sind alle verschieden, und weil wir alle Künstler_innen sind, ist es nicht fair zu sagen, wer die, der Beste ist! Ich habe damals die Beatboxing Meisterschaften für Frauen 2005 gewonnen und die West Coast Beatboxing Meisterschaften (gegen Männer) 2007. Ich habe 2004 mit Beatboxing angefangen als ich 18 Jahre alt war. Ich komme aus einer musikalischen Familie, spiele klassisches Klavier seit ich mich erinnern kann und begann in der High School Gitarre zu spielen. Deshalb kam das Beatboxing relativ selbstverständlich. Aber ich habe nie bemerkt, dass ich eine Begabung habe. Ich musste üben, und nach einer Weile erwarb ich so die Fertigkeiten.

 

 

weird: Du rappst und bist eine bekannte Jazzsängerin. Du könntest natürlich auch mehr HipHop und Rap machen. Woher kommt deine Liebe zum Jazz?

 

Butterscotch: Ich mache immer noch beides. Musik muss nicht nur als ein Genre definiert werden. Ich vermenge alles zusammen und das ist mein Style. Ich mache so viele verschiedene Events und arbeite mit so viel verschiedenen Altersstufen, dass ich mich je nach Situation, in der ich bin, anpasse.

 

 

weird: Du spielst Klavier und Gitarre. Hast du ein bestimmtes Gefühl oder eine bestimmte Botschaften, das bzw. die du mit der Gitarre besser transportieren kannst als mit dem Klavier und umgekehrt? Oder sind beide „nur“ dazu da, um dein Hauptinstrument, deine Stimme, zu unterstützen?

 

Butterscotch: Ich schreibe Songs für gewöhnlich besser auf der Gitarre, weil ich nach Gehör gelernt habe und die Akkorde grundsätzlich so leicht zu spielen sind. Da ich einen sehr strengen klassischen Background habe, denke ich zu viel, wenn ich auf dem Klavier komponiere. Aber ich liebe es gleichermaßen sie zu spielen. Mit dem Klavier kann ich vielleicht mehr ausdrücken, weil ich es einfach am längsten spiele.

 

 

weird: Du hast in Deutschland mit Helge Schneider gearbeitet und auch mit anderen Musiker_innen hier in Deutschland und Europa. Wie kam es dazu?

 

Butterscotch: Ich traf Helge Schneider 2012 beim Elb Jazz Festival in Hamburg und er lud mich ein mit ihm auf Tour zu gehen, nachdem ich außerdem die beatboxende Taxifahrerin in einem seiner Filme war („00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse“ (2013) Anm. d. Red.)! Er ist sehr sweet und funny.

 

Ich liebe es in Europa zu spielen, weil ich das Gefühl habe, dass die Anerkennung von Jazz hier stärker ist. In den USA ist er nicht mehr so präsent und zu hören, aber präsent genug, dass Leute dorthin zurückfinden können.

 

 

weird: Was fühlst du, wenn du auf der Bühne stehst?

 

Butterscotch: Ich liebe es auf der Bühne zu stehen. Es macht Spaß und ich kann sein und sagen, was immer ich will, es ist alles Kunst!

 

 

weird: Studio, Songwriting, Liveauftritte – irgendwas, was du lieber magst?

 

Butterscotch: Ich performe am liebsten live, weil es die meiste Energie hat. Der größte Rausch auf der Welt. Ich liebe es im Studio zu komponieren, weil die Möglichkeiten endlos sind, daher macht alles Spaß (die meiste Zeit).

 

 

weird: Du gerade an der Veröffentlichung deiner neuen EP „Scotch Tapes“. Kannst du darüber schon etwas sagen?

 

Butterscotch: „The Scotch Tapes Volume 1“ wird am 20. Mai 2016 veröffentlicht, und ich bin deshalb sehr aufgeregt!! Volume 1 handelt von Liebe und allem, was sie umfasst. Volume 2 handelt von Akzeptanz von sich selbst und anderen und davon wahrhaft man selbst zu sein. Volume 3 ist eine alberne Version von mir, die sich einfach einen Dreck um alles schert und einfach nur Spaß macht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (5/2016)

Fotos: Brittany McLauren

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Ex-Weltmeisterin im Beatboxen, Jazz-Sängerin, Rapperin und Multiinstrumentalist - die queere Musikerin Butterscotch (30) aus Los Angeles ist ein wahres Multitalent. Nach ihrer Finalteilnahme bei der US-Casting-Show „America‘s Got Talent“ 2007 folgten weltweite Auftritte mit bekannten Musiker_innen. U. a. wurde auch die lesbische Erfolgsmoderatorin Ellen DeGeneres auf sie aufmerksam und lud sie in ihre Talkshow ein. In Deutschland wurde Butterscotch einem größeren Publikum bekannt durch ihren Auftritt 2012 in Helge Schneiders WDR-Show „Helge hat Zeit“.

 

Im April 2016 beendete Butterscotch erfolgreich ihre Crowdfunding-Kampagne für ihr Video zum neuen Song „Accept Who I Am“. Ein sehr persönlicher Song, in dem Butterscotch aus der schwersten Zeit aus ihrem eigenen Leben erzählt, als sie nicht akzeptiert wurde und selbst nicht wusste wer sie war. Mit dem Song will die queere Musikerin anderen Menschen, die in Angst leben und verwirrt sind, weil sie sind wer und wie sie sind, Mut machen. Nach dem neuen Song und Video arbeitet Butterscotch derzeit nun an der Veröffentlichung ihrer neuen, einmal mehr in Eigenregie entstandenen und ebenso wie das Video per Crowdfunding finanzierten EP „The Scotch Tapes“. weird sprach mit Butterscotch im aktuellen Interview über ihre Musik im Allgemeinen und Song, Video und EP im Besonderen.

 

Online: www.butterscotchmusic.com

 

 

 

Butterscotch

„The Scotch Tapes Volume 1“ (Butterscotchmusic)

Out: 20.5.16

Single: „Accept Who I Am“

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Ausgabe Nr. 103

Mai 2016

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

 

Name: Butterscotch

Alter: 30

Beruf: Sängerin / Beatboxerin / Musikerin / Alien

Wohnort: Los Angeles

Meine weirdeste Eigenschaft: I don’t like to eat with my shoes on

(zu Deutsch irgendwas mit essen mit Schuhen an ist doof.)

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