Mitte         Gesellschaft und Kultur

 

 

 

 

 

Gossip, Kekse und Plintengirlanden

2 Jahre Queers And Guitar Partys

 

Von der ersten Idee bis zur Umsetzung dauerte es gut ein halbes Jahr. Schlechte Musik und doofe Locations waren die Hauptgründe, die die vier Studentinnen Nina, Olga, Sarah und Anna dazu bewegten, eine eigene Party in Bielefeld zu machen. Eine alternative Party für Lesben, Schwule und alle, die sich von dem Konzept angesprochen fühlen. „Wir sehen uns als alternative Mitte zwischen AJZ und Hechelei“, so die vier. Sie sind Mitte zwanzig und seit zehn Jahren miteinander befreundet. Nina und Olga sind ein Paar, Sarah und Anna Zwillinge. Kennengelernt haben sich die vier auf einer schwul-lesbischen Hechelei-Party. Das Gesprächsthema waren coole Outfits und natürlich Musik. „Wir waren auf vielen hiesigen Partys unterwegs“, erzählt Nina. „Aber nichts hat uns gefallen.“ Und so hatte sie schließlich 2005 die Idee zur eigenen Party. Im Frühjahr 2006 gab es dann die erste Queers And Guitar Party im Ostbahnhof. Unvergessen: Hier tanzte die lesbische Band The Organ nach ihrem Konzert im AJZ zu ihrer eigenen Musik. Ein voller Erfolg. Seither findet alle zwei Monate im Bielefelder Ostbahnhof eine Queers And Guitar Party mit alternativer Musik, Deko und vielen Details statt.

 

„Wir wollen autonom sein und zu 100 Prozent selbst bestimmen“, betont Nina den Gedanken. Deshalb verzichtet man bei der Partyplanung bewusst auf Sponsoren und suchte das Startkapital für die erste Party unter sich und bei Freund_innen zusammen. „Wir sind aber auch keine Eventmanager“, betont Anna. „Wir haben versucht die Partys so zu gestalten, dass Student_innen es sich leisten können.“ Wichtig sei, dass die Leute sich bei ihnen wohl fühlen, so die Idee. Dafür wird die Party-Location Ostbahnhof jedes Mal sorgsam dekoriert oder es werden kleine Überraschungen für jeden Gast ausgeschenkt oder gebacken, so wie die unnachahmlichen Weihnachtskekse in Notenform. Unterstützung bekommen Nina, Olga, Sarah und Anna am Abend von zehn freiwilligen Partyhelfern, die am Ende auch selten leer ausgehen.

 

Die Partymacherinnen legen Wert auf einen demokratischen Prozess und den Netzwerkgedanken ihrer Arbeit. Und hinter allem steht immer auch ein klares feministisches Statement. Ihr Name Queers And Guitar ist daher auch nicht zufällig angelehnt an den Song „Words And Guitar“ der Riot Grrl Band Sleater Kinney. Natürlich wurde der Name demokratisch ermittelt. Und auch sonst beschließen die vier alles gemeinsam. Bei allen anfallenden Arbeiten hat jede am Ende ihre bestimmte Aufgabe. Foto-Design-Studentin Sarah macht u. a. die Fotos, Tischlerin und Architekturstudentin Anna erarbeitet die Deko, Nina macht die Pressearbeit und Olga die Kasse usw. Nina ist dabei die, die alles zusammen hält. Da sind sich alle einig. Den Queers And Guitar Partys haftet durch die viele Handarbeit eine persönliche Note an, worauf die vier besonders stolz sind. Ihre Partys seien keine Fleischbeschauung, hier gehe es vor allem auch um gute Musik, so Anna. Sie steht an den Abenden in der Regel gemeinsam mit Nina am DJ-Pult. Die Playlisten können Gäste u. a. durch Vorabwünsche auf www.queersandguitar.de mitbestimmen. Gespielt wird viel queere Musik von Gossip, Tegan And Sara oder Le Tigre bis zu Placebo, aber auch andere angesagte Indiemusik von britischen Bands über 70er bis Hardcore, gerne auch mal etwas Neues oder weniger Bekanntes. „Wir vertrauen auf unseren Musikgeschmack“, so die Partymacherinnen. Und darauf vertrauen mittlerweile pro Party im Schnitt auch 250 Gäste.

 

„Wir haben viele Freunde und Bekannte gewonnen und viele Stammgäste, die selbst von weit außerhalb zu unseren Partys kommen“, freuen sich die vier. Ebenso gern gesehen wie auf ihren eigenen Partys sind die Bielefelder DJanes mittlerweile als Gäste bei anderen queeren Veranstaltungen wie Unipartys oder dem LadyGlam in Dortmund, wo Anna und Nina als DJanes randale_a und The Ninette agieren. Beim Bielefelder CSD 2008 (mehr s. auch unten) werden die Queers And Guitar Macherinnen einen von Anna selbst gestalteten Wagen haben und sowohl auf dem Siggi als auch später im Ostbahnhof für die Musik sorgen. Bevor es aber soweit kommt, wird erst mal das zweijährige Queers And Guitar Jubiläum mit einer großen Party am 31.5.08 ab 23 Uhr gefeiert. Wie schon bei der einjährigen Party macht Anna wieder ihre legendäre „Jubiläums-Plintengirlande“ aus zahlreichen Second Hand Feinrippunterhosen.

 

Online: www.queersandguitar.de

 

 

Text: Christine Stonat

Foto: Sarah Diemerling

 

 

 

Die nächste Generation, bitte!

Neue Wege fürs Frauenkulturzentrum gesucht

 

Das Frauenkulturzentrum Bielefeld e.V. wird von Bielefeldern seit jeher kurz Fraze genannt. Seine Räume hat der Verein nach mehreren Umzügen in seiner Geschichte heute in der Meller Str. 2 direkt neben dem Hinterausgang des Forums. Von Außen weist nur ein kleines Klingelschild auf das Frauenkulturzentrum hin, denn das Gebäude beherbergt neben dem Fraze auch ein paar kleinere Unternehmen. Und irgendwie habe man gedacht, nach dem Umzug 2001 vom Standort Am Zwinger in die Meller Str. gehe alles so weiter wie bisher, erzählt Mitfrau Friederike. Und am Anfang lief es auch gut. Doch in der letzten Zeit nicht mehr. Es war ein schleichender Prozess. Heute sind es insgesamt 120 Mitfrauen, die den Verein durch ihre Mitgliedschaft unterstützen. Das sind halb so viele wie noch vor einigen Jahren. Alarmierend ist vor allem, dass immer mehr Frauen gerade in der jüngsten Zeit ausgeschieden sind und sich die Art der Unterstützung fast ausschließlich auf die Zahlungen der Beiträge beschränkt. „Die gesamte Organisationsstruktur hat sich verändert“, so Friederike. „Viele Frauen, die sich früher ehrenamtlich engagiert haben, arbeiten heute.“ Oder es sind finanzielle Gründe, die die Frauen nach langjähriger Mitgliedschaft zu einem Ausstieg aus dem Verein bewegen. Dazu kommt ein seit Monaten stetig abnehmendes Besucherinneninteresse. Zu den Veranstaltungen und Angeboten wie Kinoabend, Kneipe, Sprechstunden, selbst dem Lesbenarchiv und traditionellen Partys wie der Silvesterparty kamen zuletzt immer weniger Frauen. Resultat: Das Fraze kann seine Arbeit aus eigenen Einnahmen nicht mehr leisten.

 

Von ehemals zahlreichen Helferinnen ist nicht einmal eine Handvoll ehrenamtlich tätiger Frauen geblieben. Der Punkt sei jetzt erreicht, dass sich etwas ändern müsse, so Friederike. Ziel sei es, das Fraze in andere Hände zu übergeben, an eine jüngere Generation. „Wir sind auf der Suche nach neuen Wegen, den Raum zu beleben und sprechen verstärkt Frauen an, die den Raum nutzen wollen“, so die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin Claudia Schönhoff. Die Art und Weise wie und wofür andere Frauen, und damit sind nicht nur Lesben gemeint, das Fraze nutzen können, sei vielfältig. Von 18 bis 55 und älter, Studentinnen oder Rentnerinnen: „Jede kann was tun“, so Claudia. „Das Angebot ist nicht so begrenzt wie es vielleicht scheint.“ Gegenüber neuen frischen Ideen, Konzepten, Veranstaltungen, Gruppen oder Kooperationen wie schon jetzt u. a. mit der Bielefelder Frauendisco Underground sei man völlig offen. Einzig die Grundsätze des Vereins müssten gewahrt bleiben. „Wir bieten es an“, so Friederike. „Wie es dann wird, wie es geführt wird, liegt dann nicht mehr bei uns.“ Für die geplante Umstrukturierung, die von einer Kampagne begleitet werden soll, hat sich das Fraze professionelle Unterstützung gesucht. Erste Maßnahme, die bereits im Mai anläuft, ist die Visitenkartenaktion ‚Raum sucht Frau‘. „Wir sind auf Mithilfe angewiesen. Spätestens bis Ende des Jahres muss etwas passieren“, sind sich Friederike und Claudia einig. Im Juni ist die nächste Mitfrauenversammlung des Fraze, dann werden weitere Entscheidungen gefällt. Ein Diskussionsthema ist auch der Standort. Im nächsten Jahr wird das Frauenkulturzentrum Bielefeld 25 Jahre alt - ein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang.

 

Online: www.fraze.de

 

Soliparty fürs Fraze: 30.4.08, Underground, Bielefeld, Eintritt: 3 EUR

 

 

Text: Christine Stonat

Foto: Frauenkulturzentrum Bielefeld

 

 

 

Gay In May

30. schwul-lesbische Kulturtage in Osnabrück

 

30 Jahre und kein bisschen leiser!“ unter dem Motto finden die schwul-lesbischen Kulturtage in Osnabrück Gay In May 2008 statt. Dabei sind auch einige illustre Gäste von Lilo Wanders, die am 19. April die Kulturtage eröffnete, bis zu Rosa von Praunheim, dessen Film „Meine Mütter - Spurensuche in Riga“ vom 1. bis 7. Mai gezeigt wird. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Filme, Vorträge, Erzählcafés, Partys, Sportturniere, Kabarett und andere Veranstaltungen rund ums schwul-lesbische Leben in Osnabrück und anderswo. Mit vier Veranstaltungen im April und drei am 1., 10. und 11. Juni finden traditionell der überwiegende Teil der Veranstaltungen in diesem Monat, im Mai, statt. (Foto: Gay In May)

 

 

Die wichtigsten Termine für Lesben:

 

7.5.08, 18 + 20.15 h, Kino: „Itty Bitty Titty Commitee“, Lagerhalle, Osnabrück

 

 

10.5.08, 20 h, Große Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Frauenkulturvereins Mother Jones, mit Die Lästerlotten (Frauenmusikkabarett), Büffet etc., Lagerhalle, Osnabrück

anschließend:

Große Frauenparty mit DJane Kala, Lagerhalle, Osnabrück, ab 22.30 h

 

31.5.08, 21 h, Gay In May Gala, mit Kandelaber (Musik) und Petra Förster (Lesben-Kabarettprogramm) weird-Interview mit Petra Förster s. Seite 1 „Vita“ Anschließend Party mit DJ Chris54., Lagerhalle, Osnabrück

 

 

Das komplette Programm online: www.gayinmay.de

 

 

 

Überall Lesben

Lesbenfrühlingstreffen in Dresden

 

Vielfältige Begegnungen und lebendigen Austausch wünschen sich die Macherinnen vom diesjährigen Lesbenfrühlingstreffen (LFT). Das findet in Dresden statt und hat das Motto „Umarmt von Europa - Lesben überall“. Schwerpunkt der Veranstaltungen: die Vielfalt lesbischen Lebens in verschiedenen europäischen Regionen sichtbar machen. Das Programm vom 9. bis 12. Mai 2008 umfasst Workshops, Theater, Lesungen, Kunstausstellungen, Filmvorführungen, Konzerte, Marktstände und eine Demo am 10.5. von 14-16 h am Dresdner Hauptbahnhof unter dem Motto „Lesben leben Vielfalt“. Unterstützung kommt dabei auch aus Bielefeld, nämlich musikalisch, und zwar von der lesbischen Samba/Trommelgruppe LesBenitas. Das nächste Lesbenfrühlingstreffen findet 2009 nach zehn Jahren das erste Mal wieder in Köln statt und ist zugleich das 35. Jubiläumsjahr des LFT. (Foto: LesBenitas)

 

Online: www.lesbenfruehling.de/dresden2008

 

 

 

Heute schon geoutet?

CSD Bielefeld 2008

 

Der Christopher Street Day in Bielefeld 2008 nimmt langsam Gestalt an. Mit „Heute schon geoutet? Lesben und Schwule zeigen Flagge“ steht auch schon das diesjährige Motto der lesbisch-schwulen Demonstrationsveranstaltung fest. Die Parade beginnt am 16.8.08 um 13.30 Uhr. Startpunkt ist die Altstädter Nicolaikirche. Im Anschluss findet das CSD-Straßenfest schon wie in den letzten Jahren wieder auf dem Siegfriedplatz statt. Ab 15 Uhr führt Oliver Schulte durch das Programm u. a. mit einer Tuntenolympiade, eingeladenen Politiker_innen, den LesBenitas (15 Uhr), Topact Steffi List (16 Uhr) und ab 18 h Disco mit den Queers And Guitar DJanes (mehr zu Queers And Guitar siehe oben!) Wie weird bereits berichtete, gibt es 2008 erstmals auch zwei offizielle CSD Partys. Eine alternative mit den Queers And Guitar DJanes im Ostbahnhof (ab 23 Uhr) und eine mit wechselnden DJs im Forum (ab 22 Uhr). Ein Shuttlebus wird zwischen 0 und 4 Uhr zwischen den Partys pendeln. Ebenfalls neu, die Website des CSD. Die ist seit April unter dem Namen www.csd-bielefeld.de mit allen aktuellen Infos online. (Foto: AIDS-Hilfe Bielefeld)

 

 

 

Schwule Filmtage Bielefeld 2008

Mit Beiträgen von Eva Urthaler & Zabou Breitman

 

Internationale schwule Filme stehen im Mai bei den Schwulen Bielefelder Filmtagen im Mittelpunkt. Gezeigt werden an insgesamt sieben Tagen im Lichtwerk Kino u. a. auch zwei sehr unterschiedliche Filme von zwei Regisseurinnen. So der Film „Der Mann seines Lebens“ von der Französin Zabou Breitman. In warmen Bildern erzählt sie die Geschichte eines Familienvaters, dem der Mann seines Lebens begegnet (11.5. 19 h, 14.5. 21.30 h). Das Regiedebüt der Österreicherin Eva Urthaler „Keller - Teenage Wasteland“ ist da weniger zahm. 2005 war die gebürtige Wienerin gerade mal 26 und hatte nach eigener Aussage zuvor noch keinen einzigen Meter Film belichtet. Das Drehbuch schrieb sie mit 24. Herausgekommen ist ein Thriller um zwei Jugendliche, die aus Langeweile eine Frau entführen. Ein Spiel um Sex und Macht beginnt. Die Rolle der entführten Sonja spielt die Italienerin Elisabett Rocchetti. Gezeigt wird „Keller“ am 8.5. um 19 Uhr und am 12.5.08 um 21.30 Uhr im Lichtwerk. Die Schwulen Filmtage Bielefeld 2008 laufen vom 8. bis 14.5. Veranstalter ist das Autonome Schwulenreferat der Uni Bielefeld, SchwuR.

 

Das komplette Programm online: www.schwur.net

 

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Foto: Sarah Diemerling

Willkommen zu Hause: Unter dem Namen Queers And Guitar machen diese vier ausgeschlafenen Bielefelder Studentinnen seit zwei Jahren alternative Partys für Lesben, Schwule und alle anderen. Am 31.5.08 ist die große Geburtstagsparty, natürlich im Ostbahnhof und zugleich die letzte vor einer Sommerpause!

 

 

Update 2010: Queers And Guitar DJane radale_a hat sich in Jango Pango Bang Bang umbenannt.

 

Update 2011: … und heißt heute Prinz Anna.

Die LesBenitas aus Bielefeld sorgen bei der Lesbenfrühlingstreffen-Demo am 10.5.2008 in Dresden für Gehör.

As time goes by: Gay In May feiert seine mittlerweile 30. schwul-lesbischen Kulturtage in Osnabrück.

Ausgabe Nr. 7

Mai 2008

Wiederbelebung fürs Fraze: Die aktuelle Aktion ‚Raum sucht Frau‘ ist ein erster Schritt, neue engagierte Frauen fürs Bielefelder Frauenkulturzentrum zu gewinnen. … damit es wieder so wird wie hier (Foto) vor einigen Jahren bei einer Lesung von Mirjam Müntefering.

Beim CSD 2007 (Foto) waren es sehr viele. Motto 2008: Heute schon geoutet? Lesben und Schwule zeigen Flagge. Und zwar am 16.8.08 Es könnten noch mehr sein.

Die junge Wiener Regisseurin Eva Urthaler: Ihr Film „Keller“ läuft bei den Schwulen Filmtagen 2008 im Lichtwerk.

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