Mitte         Gesellschaft und Kultur

 

 

 

 

Kultur im Schaufenster

Bielefelds neue offene Bühne

 

Eine offene Bühne in einer lässigen Location, die offen ist für alle künstlerischen Aspekte, keinen Eintritt kostet und sich auch sonst ganz unkonventionell präsentiert, so etwas gibt es in Bielefeld bisher nicht. Vorbilder muss man da auch schon mal außerhalb suchen. Und so könnte es demnächst in Bielefeld eine Mischung aus Herford unplugged im Pfennigskrug, dem hiesigen Bunker Ulmenwall Poetry Slam und der Kölner Comedyshow NightWash geben. „Kultur im Schaufenster“, so heißt das neue Bielefelder Format. Initiatorin Susanne Knippenberg will die offene Bühne gemeinsam mit den Friseurinnen der Haarmonie etablieren. Start ist am 7. Februar 2008 um 20 Uhr. Von da an soll es die offene Bühne jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr geben. Die Location: Haarmonie Friseursalon Nr. 3 in der Herforder Straße 42/Ecke Brandenburger Straße (Foto oben). Das Konzept ist einfach: der Eintritt ist frei, jeder kann kommen, zuschauen und selbst auf der Bühne stehen. Und wer glaubt während der Veranstaltung Durst zu bekommen, der bringt sich seine Getränke selbst mit, denn es gibt an den Abenden keine Gastronomie. Das Augenmerk liegt ganz auf dem künstlerischen Aspekt. Und dem sind keine Grenzen gesetzt: Musik, Comedy, Zauberei, Bauchtanz, Poetry, alles ist erlaubt und jeder darf mitmachen, sich trauen, sich ausprobieren. Einzige Bedingung: alles ist absolut unplugged.

 

Susanne Knippenberg (Foto unten, links), 47, lesbisch und Reikilehrerin, hatte die Idee zur offenen Bühne. Sie selbst singt ganz ausgezeichnet und ist schon lange Kundin in der Haarmonie. Sie wollte ein Podium schaffen, einen „Gegenpol zur Konservenindustrie“, wie sie sagt. Klar, dass die Damen von der Haarmonie nicht lange gezögert und einen Raum zur Verfügung gestellt haben. Einen komplett möblierten Friseurladen. Den Haarmonie Salon Nr. 3 mit einem Podest im Schaufenster, das jetzt zur Bühne wird. Der Haarmonie-Salon Nr. 3, der an anderen Tagen auch für andere kreative Projekt vermietet wird, ist eine lässige kleine Location, ideal für kulturelle Veranstaltungen und familiäre Atmosphäre. Die Haarmonie-Läden sind bekannt für ihre extravagante Inneneinrichtung, aber auch sonst besonders bei den jungen Frauen seit jeher ein echter Tipp, wenn es um angesagtes Styling und allerneueste Trends geht.

 

Zur Philosophie der Haarmonie und ihren Macherinnen gehört ebenso lange auch eine enge Verbundenheit zu Kunst und Kultur. Das spiegelt sich nicht nur im Interieur wider, sondern auch im Engagement der beiden Betreiberinnen Sieglinde Staack (Foto unten, rechts) und Barbara Nopper. Bis 2006 gab es in der heute baufälligen Galerie Haarmonie im Hinterhof den „Szenetreff“ mit verschieden Kleinkunst-Formaten wie der Figaro-Comedy-Show von Bielefelds bekanntestem Comedian Ingo Oschmann. Und auch auf dem Bielefelder CSD hat die Haarmonie traditionell einen eigenen Wagen. „Wir waren schon immer kulturell, szenemäßig und Kunst interessiert und möchten das jetzt wieder aufleben lassen“, so Sieglinde Staack zur neuen Idee „Kultur im Schaufenster“. Die 48-jährige Friseurin führt seit 21 Jahren gemeinsam mit Barbara Nopper (54) die mittlerweile zwei nebeneinander liegenden Salons Haarmonie in der Herforder Straße. Gut möglich, dass die offen lesbische Chefin Barbara selbst am 7. Februar 2008 auf die Bühne tritt. Ihr Metier: politisches Kabarett. Auf jeden Fall mit dabei: Susanne Knippenberg, die durch den Abend führt und musikalisch einleiten wird. Und sie ist selbst die beste Werbung: viele Wochen zuvor schon zog sie mit ihrer Gitarre durch die Bielefelder Läden, um so eigenhändig für ihre Veranstaltung zu werben.

 

 

Haarmonie online:

www.friseure-haarmonie-bielefeld.de

 

 

Text + Fotos: Christine Stonat

 

 

 

Zwei Blaue Bengel

… in Bielefelds schwul-lesbischem Fußballfanclub

 

Die Blauen Bengel, so heißt Bielefelds schwul-lesbischer Arminia Fußballfanclub. weird traf zwei von ihnen im Januar im Milestones. Evi und Nicole sind, nach eigener Aussage, Deutschlands einzige Lesben, die in einem queeren Fußballfanclub organisiert sind. In Deutschland gibt es immerhin knapp ein Dutzend queere Fanclubs u. a. in Mainz, Dortmund, St. Pauli oder Berlin. Alle Clubs haben aber fast ausschließlich schwule Mitglieder. Zu vielen pflegen die Blauen Bengel ein freundschaftliches Verhältnis. Sogar Spiele werden untereinander ausgetragen. Und auch wenn Evi und Nicole selbst kein Fußball spielen, davon verstehen, tun sie eine ganze Menge.

 

Evi ist schon immer Fußballfan aus Leidenschaft. Seit sie vor vielen Jahren aus München nach Bielefeld kam, schlägt ihr Herz für die Arminia. Mittlerweile ist sie selbst Ordnerin in der SchücoArena. Über Bekannte kam die 41-Jährige an den ehrenamtlichen Job. Ist ihr Job am Eingang des Stadions getan, hat sie sogar noch Zeit, um sich das Spiel anzusehen. Schließlich ein Muss für jeden Arminiafan, so natürlich auch für jeden Blauen Bengel. Auch Evis Freundin Nicole (34) ist seit jeher Bundesliga begeistert. Auch sie hat nach ihrem Umzug 1992 aus der Nähe von Celle nach Bielefeld bald ihr Herz für die Arminia entdeckt. Im Sommer 2007, genauer gesagt am Tag des Bielefelder CSD, der mit einem Heimspiel der Arminia zusammenfiel, kam das Paar schließlich zu den Blauen Bengeln. Der Fanclub hatte sich im Winter 2006 aus zunächst schwulen Mitgliedern, die sich im Internet kennengelernt hatten, formiert. Offen war und ist der Fanclub aber für alle. Für Schwule, aber auch für Lesben und laut Satzung auch für Heteros. Unterschiede werden keine gemacht. Was verbindet, ist allein die Liebe zur Arminia, zum Fußball und zur Bundesliga. Heute hat der Fanclub insgesamt zwanzig Mitglieder - fünfzehn schwule, zwei lesbische und drei Hetero/as.

 

DSC Arminia Bielefeld Fanclubs gibt es viele, insgesamt knapp 100, aber es gibt eben nur den einen schwul-lesbischen Fanclub. Seit März 2007 sind die Blauen Bengel sogar ein offiziell anerkannter Fanclub des DSC. „Das heißt, der Verein steht dahinter. Und er steht auch zu schwul-lesbisch“, so Evi. „Außerdem hat man als offiziell anerkannter Fanclub gewisse Privilegien, wie Vorkaufsrechte für Karten und die Möglichkeit der Teilnahme an Fanclubtreffen oder Mitgliederversammlungen.“ Sogar ein Trikot mit den Unterschriften aller Spieler hat ihr Fanclub vom Verein geschenkt bekommen. Das haben sie stolz in ihrer schwul-lesbischen Bielefelder Stammkneipe Tres aufgehängt, wo sich die Blauen Bengel an jedem ersten Donnerstag im Monat treffen. Für das Frühjahr 2008 hat darüber hinaus Rüdiger „Rübe“ Kauf, Arminia Stamm- und einer der Lieblingsspieler von Evi und Nicole, eine Einladung der Blauen Bengel angenommen, zu einem der Treffen ins Tres zu kommen. Der DSC versucht sehr auf seine Fans einzugehen, sind sich Evi und Nicole einig. Und was sagen die beiden zum Stichwort …?

 

 

Middendorp

(Arminias Trainer 1988-1990, 1994-1998 und März-Dezember 2007)

 

Es war Not am Mann, Panik, und er wurde mit offenen Armen empfangen, auch von den Fans. Er war jemand, der den Verein kannte. Es war gut, dass er kam. Und es hat gut funktioniert, uns vor dem Abstieg zu retten. (Letzte Saison 2006/2007: Tabellenplatz 12, Anm. d. Red.) Aber auf Dauer war es mit seiner Brechstangenmethodik schwierig. Er ist nicht gerade bekannt für seine Diplomatie. Am Ende waren die Spieler keine Mannschaft mehr. Jetzt war er wohl auch das letzte Mal Trainer bei Arminia.

 

 

Michael Frontzeck

(neuer Arminia Trainer seit Dezember 2007, zuletzt glücklos bei Alemannia Aachen)

 

Unsere Meinungen sind geteilt. Die einen sagen, er hat keine Trainererfahrung und hat im Gegensatz zu vielen anderen Arminia Trainern so gar keine Verbindung zu Bielefeld. Auf der anderen Seite kann das aber auch eine Chance sein, auch weil er sich als Trainer in der 1. Liga beweisen will. Wir persönlich geben ihm eine Chance. Im Trainingslager schien es ja ganz gut zu laufen.

 

 

Mannschaft

 

Die Mannschaft ist zwar schon relativ alt, aber Spieler wie Artur Wichniarek, Rüdiger Kauf und Torwart Matze Hain sind die Charaktere, die den Verein, der es jetzt ist, geprägt haben. Wir haben auch viele junge und neue Spieler. Ganz großes Potential hat mit Sicherheit unser neuer Torwart Fernandez. Wir hoffen, dass er bleibt und auch spielen wird.

 

 

Verein und Fans

 

Besonders schätzen wir an Arminia die Übersichtlichkeit. Der Verein selbst ist überschaubar. Das kleine Stadion liegt mitten in der Stadt. Man ist nah am Spielfeld und an den Spielern, es ist nicht anonym eher familiär. Die große alternative, aggressionslose Fangemeinde zeichnet sich durch ihre besondere Leidenschaft aus. Sie geht geduldig mit ihrer Mannschaft um und hat das Problem mit einer inzwischen nahezu aus dem Stadion vertriebenen rechten Fanszene beherzt und souverän geregelt. Es ist auch zu beobachten, dass mehr und mehr Frauen in die Stadien gehen, und es nicht mehr so eine Männerdomäne ist. Vielleicht ist das auch eine Chance für eine andere Toleranz und Akzeptanz in Fußballstadien.

 

 

Homosexualität und Fußball

 

Ein schwieriges Thema. Durch die Bildung der schwul-lesbischen Fanclubs ist da auf jeden Fall etwas in Bewegung. Wir können zeigen, uns gibt es auch. Auf Fantreffen bringen wir das Thema zu den anderen und schaffen da eine gewisse Akzeptanz. Wir gehen den ersten Schritt und leisten Vorarbeit nicht nur Schilder gegen Rassismus durchs Stadion zu tragen, sondern auch auf dieser Ebene. Wir unterstützen alle, sowohl die Fans als auch die Spieler. Wir sind nicht sehr politisch, aber wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Und es kann nur von Außen nach Innen funktionieren. In St. Pauli hat der schwul-lesbische Fanclub schon eine Aktion im Stadion gestartet, die gut ankam. Wir hoffen, dass sich so langfristig bei den Fans und nur so auch für die Spieler etwas ändern kann.

 

 

Tribünenumbau

 

Früher standen wir bei jedem Heimspiel auf Block 6. Nach dem Abriss der Stehtribünen Block 5 und 6 stehen wir jetzt auf Block 2 ganz oben unterm Dach. Die neu entstanden Sitzplätze sind teurer. Viele Fans wollen außerdem nicht sitzen. Man hätte durchaus mehr Stehplätze in den Neubau mit einbauen können. Ganz schlimm: der neue Auswärtsblock ist für die Auswärtsfans durch seine kleine Größe, ohne Überdachung und mit schlechter Sicht wirklich unfair und ausgrenzend. Das Stadion bildet dadurch auch keine Einheit mehr. Man hätte es von vorneherein als geschlossenes, rundes Stadion konzipieren müssen. Im Hinblick auf die Frauenfußball WM 2011 ist der Umbau mit den Sitzplätzen jedoch auch positiv zu bewerten. Bielefeld ist als Spielstätte durchaus im Rennen.

 

 

Frauenfußball

 

Es ist super, dass endlich auch im Fernsehen darüber berichtet wird und der Frauenfußball eine große Akzeptanz auch bei den Männern findet. Wir schauen uns gerne die Länderspiele an und wir freuen uns über den Erfolg der deutschen Mannschaft. Die Bundesliga ist einfach nicht interessant genug, dafür spielen die Frauen einen zu anderen Fußball. Fußball ist nicht gleich Fußball. Wir sind mit Männerfußball groß geworden und genau den mögen wir auch. Es geht nicht darum da jedes Bundesligaspiel zu gucken, sondern die der Lieblingsvereine, und bei den Frauen gibt es keinen.

 

 

Klassenerhalt 2008

 

Ja, klar! Wie? Glorreich!

 

 

Danke!

 

Bitte!

 

 

 

 

Text: Christine Stonat

 

 

 

 

 

Berlinale 2008

Von Teddys und Bären

 

Im Februar finden die 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale, statt. Vom 7. bis 17.2.08 stehen Produktionen aus 18 Nationen von Deutschland bis Japan und Brasilien, darunter 18 Weltpremieren im Wettbewerb um den begehrten Goldenen Bären. Im Rahmen der Berlinale gibt es aber noch einen anderen Bären zu verleihen, und zwar den lesbisch-schwulen Teddy. Die „Teddy 22 Queer Film Awards“ werden am 14.2. um 20.30 Uhr im Haus der Kulturen der Welt in Berlin vergeben. Durch die bunte Preisverleihung mit Musik- und Showprogramm führt wie schon im letzten Jahr ARTE-Moderatorin Annette Gerlach. Ab 22.30 Uhr beginnt dann traditionell die große Teddy-Party.

 

Der Teddy gilt international als wichtigster lesbisch-schwuler Filmpreis und wird von einer Fachjury unter gut 40 Beiträgen in den Kategorien Kurz-, Dokumentar- und Spielfilm verliehen und zum zweiten Mal neu auch als Zuschauerpreis. Special Teddys erhalten in diesem Jahr die zwei schwulen Filmmacher, -kritiker und -scouts Hans Stempel und Martin Ripkens für ihr mehr als 50-jähriges Lebenswerk sowie Tilda Swinton, James Mackay, Isaac Julien, Colin McCabe, Keith Collins und Simon Fisher Turner für ihre Bemühungen, das Erbe des britischen Regisseurs Derek Jarman (1942-1994) lebendig zu erhalten.

 

Die 58. Berlinale wird am 7.2.08 von Martin Scorseses Rolling Stones Konzertfilm „Shine A Light“ unter Anwesenheit von Scorsese und den Rolling Stones eröffnet. Der Film hat in Berlin Weltpremiere. Die Berlinale läuft bis zum 17.2.08.

 

www.teddyaward.org

Seite 4

Am 2.2.08 startet der DSC Arminia Bielefeld um 15.30 Uhr gegen VfL Wolfsburg in der SchücoArena in die 1. Bundesliga-Rückrunde. Heimspiele sind für die Mitglieder des schwul-lesbischen Fanclubs Blaue Bengel natürlich Pflicht. Auch für die zwei einzigen lesbischen Mitglieder Evi und Nicole.

weird

„Kultur im Schaufenster“: wo jetzt noch ein Ottomane steht, findet am 7.2.08 um 20 Uhr die erste offene Bühne statt. Von da an gibt es die Veranstaltung im Bielefelder Haarmonie Friseursalon Nr. 3 regelmäßig jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr.

 

 

 

Update September 2008: Die Veranstaltungsreihe wurde eingestellt.

Ausgabe Nr. 4

Februar 2008

Die Plakatreihe für die Berlinale 2008 hat die Grafikerin Antonia Neubacher entworfen. Neben dem Hauptpreis, dem Bären, wird bei der 58. Berlinale u. a. auch am 14.2. der 22. Teddy Award unter Filmen mit lesbisch-schwulen Inhalten verliehen.

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Fanclub-Treffen Blaue Bengel: jeden 1. Donnerstag im Monat, Tres (ab 2013: Gaststätte Kochsiek (Arndtstr. 45), Bielefeld, 19.30 h

Neue Fans und Mitglieder sind herzlichen willkommen.

 

Die Blauen Bengel aktiv:

9. Bielefelder Fanclub-Meisterschaft, Seidensticker Halle, Bielefeld, 12-19 Uhr, 10.2.08

 

Blaue Bengel online:

http://blaue-bengel.de

 

 

Archiv

Update 15.2.08:

 

Teddy Award Gewinner_innen 2008:

 

Spielfilm: „The Amazing Truth About Queen Raquela“ von Olaf de Fleur Johannesson

 

Kurzfilm: „Tá“ von Felipe Sholl

 

Doku: „Football Under Cover“ von David Assmann & Ayat Najafi (auch Zuschauerpreis)

 

Jurypreis + Siegessäule-Leserpreis: „Be Like Others“ von Tanaz Eshagian

 

 

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Ausgabe Nr. 4

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