Mitte         Gesellschaft und Kultur

 

 

 

 

 

Gib mir ein „e“!

Queerstimmt - Der lesbischschwule Bielefelder Chor mit neuem Namen und neuer Präsenz

 

Jetzt fügt sich endlich zusammen, was zusammen gehört. Der lesbischschwule Bielefelder Chor, bislang unter dem Namen „Querstimmt“ aktiv, bekommt sein zweites „e“. Ab sofort nennt sich der Chor „Queerstimmt“ und setzt so auch namentlich ein Zeichen für die Community. „Eigentlich sollte der Chor von Anfang an Queerstimmt heißen“, erzählt Chormitglied Ursula. „Das eine ‚e‘ ist aber irgendwie im Zuge der Logogestaltung damals verloren gegangen.“ Das war vor zehn Jahren zur Chorgründung. Bei ihrem Kurzauftritt vor drei Jahren auf dem Bielefelder CSD bekamen sie sogar von den Veranstaltern ein Styropor-e geschenkt, weil man dachte, dem Chor fehle eins. „Es war ja auch tatsächlich so“, lacht Ursula. Ab Februar 2010 will man sich das verlorene „e“ nun offiziell zurückholen. Ein ganz neuer Internetauftritt des Chores bietet zugleich die Gelegenheit zur offiziellen Namensänderung. Auf www.queerstimmt.de wird es ab Februar 2010 alle Infos und News rund um den Chor geben. Besonders für gesangsbegeisterte Lesben interessant, denn Queerstimmt sucht noch Verstärkung. Wir suchen vorwiegend Frauen“, erklärt Ursula. Bei 15 bis 20 Mitgliedern hat der Chor nämlich einen Männerüberschuss. Aber auch andere Interessierte seien jederzeit willkommen, der Chor sei grundsätzlich offen für alle. Am 24. Januar 2010 hat der Chor die Proben für dieses Jahr wieder aufgenommen. Rausgeworfen werde keiner. „Wir sind immer offen für neue Impulse“, sagt Ursula. „Es gibt kein Vorsingen und es muss auch keiner einzeln singen“, erklärt sie. „Daher gibt es keine wirkliche Hemmschwelle.“ Wichtige Hilfestellung leistet vor allem der professionelle Chorleiter und einzige Heterosexuelle im Team, Herr Zaharov. „Lieber falsch singen als gar nicht singen“, ist seine Devise. Und leitet er die Sänger_innen geschult an und trainiert ihre Stimmen nicht nur für den Chorgesang, sondern letztendlich auch für den Alltag.

 

„Es ist wie ein Mannschaftssport“, sagt Ursula über das Singen im Chor. Es sei diese Regelmäßigkeit. Dabei ginge es bei Queerstimmt aber weniger um Perfektion als viel mehr um den Spaß am Singen. „Wir haben keinen Anspruch an Professionalität“, erklärt Ursula. Sie ist seit gut vier Jahren bei Queerstimmt und hat den Chor das erste Mal im Bielefelder Ratscafé gesehen. „Mir hat gefallen, dass sie nicht so perfekt waren“, erinnert sie sich. Über Kontakte im schwullesbischen Bielefelder Sportverein Warminia sei sie schließlich zum Chor gekommen. „Ich wollte gerne singen, am liebsten in einem Chor, in dem klar ist, dass man lesbisch ist und man sich nicht erklären muss“, erzählt Ursula. „Im Bereich der Chorfähigkeit sind wir nicht unbedingt homogen, dafür aber im Alters- und im sozialen Bereich.“ Alle Mitglieder sind lesbisch bzw. schwul, zwischen 30 und 50 Jahren und überwiegend Lehrer und Akademiker. Ursula selbst ist 46. Die Pädagogin aus der Nähe von Aschaffenburg arbeitet heute in Bielefeld als Gärtnerin. Und so wie sie sind auch viele andere bei Queerstimmt „Zugereiste“ - von München bis Flensburg. Außerdem sei der musikalische Hintergrund der Mitglieder ähnlich. Das alles verbinde.

 

Vor einem Jahr, am 14.2.2009, hatte Queerstimmt sein letztes Konzert in der Bielefelder Ravensberger Spinnerei vor 200 Gästen. Ursula moderierte. Das Repertoire des Chores reicht von Pop, Jazz und Musical bis hin zu deutschen Schlagern. Da der Chor basisdemokratisch geführt wird, wird auch die Liedauswahl von allen Mitgliedern bestimmt und für den einmaligen alljährlichen Auftritt zu einem runden Programm zusammengefügt. Zumeist sind es Lieder, die zwischen den Zeilen queer gelesen werden können. Um die Lieder herum ranken sich Geschichten, die dem Ganzen einen Rahmen geben und einen Roten faden verleihen. „Lebendig, witzig, mit viel Choreografie und kleinen Geschichten“, so beschreibt Ursula die ausgewählten Chorauftritte. „Wir sind weniger politisch, es geht weniger um eine Botschaft, sondern mehr um den Spaß.“ Zurzeit arbeitet man am neuen Programm, dass im Herbst 2010 zur Aufführung kommen soll. Diesmal dreht sich alles um Filmmusik - von den 1930er Jahren in Schwarzweiß über „West Side Story“ bis „Titanic“. (Text: Christine Stonat)

 

Online: www.queerstimmt.de

 

 

 

Mein Name ist Mensch

24. Teddy Award 2010

 

Der Teddy Award ist der queere Filmpreis der Berlinale und gilt mittlerweile als bedeutendster queerer Filmpreis weltweit. Der Award kommt Filmen und Personen zugute, die queere Themen auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene kommunizieren und somit einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten. 2010 wird der Teddy Award zum 24. Mal verliehen. Am 18. Februar 2010 wird in der Station Berlin im Rahmen der 60. Internationalen Filmfestspiele in Berlin (11.-21.2.10) ab 21 Uhr der lesbischschwuletrans Filmpreis in vier Kategorien vergeben. Zusätzlich gibt es den Leser_innen-Preis des lesbischschwulen Veranstaltungsmagazins aus Berlin „Siegessäule“. Der Special Teddy geht in diesem Jahr an Werner Schroeter. Eine besondere Hommage geht in diesem Jahr an Rio Reiser (Foto), der 1996 starb, und der erste schwule deutsche Musiker war, der sich öffentlich outete. Am 9. Januar 2010 wäre Rio Reiser 60 Jahre alt geworden. Seine ehemalige Band Ton Steine Scherben wird erstmals seit dem Tod ihres Frontmannes bei der festlichen Galaveranstaltung des Teddy Awards in Originalbesetzung auf der Bühne stehen - unterstützt von Ich + Ich-Sänger Adel Tawil. Das diesjährige Motto des Teddy Award „Mein Name ist Mensch“ geht auf einen von Reisers Songs zurück. Moderation: Annette Gerlach. Ab 23 Uhr geht‘s dann über zur großen Teddy Party. Neu ist übrigens die Location des Teddy Awards. Mit der Station Berlin feiert man zum ersten Mal in unmittelbarer Nähe zum Berlinale Geschehen am Potsdamer Platz. Der Sender Arte wird den Teddy Award am folgenden Tag, am 20.2.10 übertragen und auch Deutschlands erster schwuler Sender Timm wird ausführlich berichten.

 

Online: www.teddyaward.tv

 

 

 

Unternehmerinnenmarkt

17. Weiterbildungs- und Informationsbörse für Frauen

 

Die Bielefelder Gleichstellungsstelle für Frauenfragen/Frauenbüro ist Veranstalterin der 17. Weiterbildungs- und Informationsbörse für Frauen. Der Unternehmerinnenmarkt findet am 13.2.10 in der VHS in der Ravensberger Spinnerei statt. In der Zeit von 11 bis 16 Uhr steht „Frauen ein umfangreiches Angebot regionaler Weiterbildungsträger, Beratungsstellen, Institutionen und Netzwerken zur Auskunft zur Verfügung“, so die Verantwortlichen. Es gibt Infostände von und mit Unternehmerinnen zu Themen wie Existenzgründung und Selbstständigkeit, Netzwerken und mehr. Workshops sollen zudem spezielle Fragestellungen vertiefen. Frauen und Arbeit neben der Rente, Altersvorsorge, Elternzeit, Trennung/Scheidung – Unterhalt, Teilzeitselbstständigkeit, weiblicher Perfektionismus, Selbstbewusst ins Vorstellungsgespräch, Life/Work Planing, Typgerechtes Schminken und Styling im Beruf sind hier die Themen. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Für Migrantinnen stehen zudem Ansprechpartnerinnen für Übersetzungen zur Verfügung.

 

17. Weiterbildungs- und Informationsbörse für Frauen, Ravensberger Spinnerei/VHS, Bielefeld, 11-16 h, 13.2.10

 

 

Ein Kommentar:

Welche Position lesbische Frauen bei der 17. Bielefelder Weiterbildungs- und Informationsbörse für Frauen einnehmen, ist allerdings nicht definiert. Frauen seien hier alle gleich, so eine Mitarbeiterin der Bielefelder Gleichstellungsstelle, man würde keine Unterschiede machen. Klingt tolerant. Mit der Thematik aber, dass sich immer noch viele lesbische Frauen aus Angst vor Diskriminierung und Jobverlust in ihrem Beruf nicht outen, damit, dass laut einer Studie der Harvard Universität ungeoutete Mitarbeiter_innen aufgrund ihres Versteckspiels und des damit verbundenen emotionalen Stress‘ zehn Prozent ihrer Arbeitskraft verlieren, damit befasst sich auch der mittlerweile 17. Unternehmerinnenmarkt nicht. Antworten auf Fragen zur Lesbenthematik wie: Oh, ja stimmt, hm, haben wir nie drüber nachgedacht, werde das anregen, werde mal nachfragen … zeigen, dass sich nicht nur im Kopf der männlichen Mitglieder unserer Gesellschaft etwas ändern muss. (von Christine Stonat)

 

 

 

Wir müssen leider draußen bleiben

Olympische Winterspiele 2010 ohne Skisprungdamen

 

Momentan haben wir in Bielefeld so viel Schnee, dass wir selbst die Olympischen Winterspiele austragen könnten. Diese finden diesen Monat aber stattdessen vom 12. bis 28. Februar 2010 im kanadischen Vancouver statt. Es sind die 21. Winterspiele der Geschichte. Und einmal mehr werden mehr Männer als Frauen daran teilnehmen, denn das Skispringen der Damen wird auch 2010 nicht olympisch sein. Zwar durfte vor ziemlich genau einem Jahr bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2009 in Liberec die erste Weltmeisterin im Einzel-Skispringen ermittelt werden, die Olympischen Winterspiele bleiben aber auch weiterhin für die Adlerdamen verwehrt. Ein entsprechender Antrag zur Aufnahme eines Damenwettbewerbs, unterstützt übrigens auch von zahlreichen lesbischen Frauen, wurde vom Internationalen Olympischen Komitee IOC abgelehnt. Erste amtierende Weltmeisterin ist die 25-jährige US-Amerikanerin Lindsay Van. Ihre persönliche Bestweite erreichte sie 2004 mit 171 Metern. Das könnte doch ihren männlichen Kollegen Auftrieb geben. Die US-Herren sind nämlich im Vergleich schon immer absolut flügellahm - und die deutschen derzeit bekanntlich auch. Amtierende Vizeweltmeisterin und Deutsche Meisterin ist Ulrike Gräßler (22, Foto). Lichtblick der Winterspiele 2010: In Vancouver gibt es ein eigens eingerichtetes „Pride House“ für lesbische und schwule Athleten.

 

 

 

 

Weitere Notizen:

 

 

Das Bielefelder Frauenkulturzentrum benötigt neue Stühle und startet daher einen Spendenaufruf: „Schlimmes Weihnachtsgeschenk gekriegt oder Keller voll?! Bitte bringt eure Sachspenden während der Bürozeit oder der Mittwochskneipe vorbei“, so die Verantwortlichen. Das Mitgebrachte sollen jetzt im Februar 2010 beim Sachspendenflohmarkt am 21.2.10 ab 15 Uhr zu Geld gemacht und in die neuen Stühle investiert werden.

 

 

Ihr seid Frauen oder Mädchen aus OWL und habt eine Band. Dann zeigt den Jungs was ne Harke ist und bewerbt euch für die Dorf Rock Rotation. Bewerbungen bis zum 7.2.10 (für die erste Frühjahrsstaffel) oder 23.8.2010 (für den Herbst). DRR ist ein neues lokales Bandfestival in OWL. Das Prinzip: zweimal im Jahr an jeweils vier Abenden einer Woche (Montag bis Donnerstag) treten vier Bands in vier Dörfern bzw. Gemeinden in OWL auf. Die Konzerte werden medial aufbereitet und im Internet veröffentlicht, so dass ein „rockmusikalisches Veranstaltungsnetzwerk in ganz OWL“ entsteht, so die Veranstalter. Bands aller Musikrichtungen können sich bewerben. Bewerbungen an: Create.Music.OWL, Am Wasserturm/Friedrichstr. 17, 33330 Gütersloh, 05241/2115534, www.dorf-rock-rotation.de

 

 

Die Kieler Psychosoziale Frauenberatungsstelle im Verein Donna Klara hat nicht nur einen eigenen Arbeitsbereich für Lesbenberatung, sondern auch einen lesbischen Ratgeber herausgegeben. „Familienfeste mit lesbischen Töchtern - Zutaten für ein gutes Gelingen“ heißt der Leitfaden, der auf www.donna-klara.de zum freien Download bereit steht.

Seite 4

weird

Ausgabe Nr. 28

Februar 2010

Deutsche Meisterin und Vizeweltmeisterin im Skispringen: Ulrike Gräßler und ihre Kolleginnen dürfen auch dieses Jahr nicht zu den Olympischen Winterspielen, 12.-28.2.2010 in Vancouver.

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Der lesbischschwule Bielefelder Chor „Querstimmt“ heißt ab Februar 2010 offiziell „Queerstimmt“ mit zwei „e“. Der Chor präsentiert sich in diesem Zuge auch im Internet neu auf www.queerstimmt.de. Gesucht werden neue Mitglieder, vor allem weibliche!

 

 

 

Update 3/2012: Der Chor Queerstimmt hat sich aufgelöst.

Die 17. Bielefelder Weiterbildungs- und Informationsbörse für Frauen findet am 13.2.10 in der VHS (Ravensberger Spinnerei) statt. Lesbisch sein ist auch nach fast zwei Jahrzehnten kein Thema der Veranstaltung.

Von allen verehrt und geehrt:

Rio Reiser wäre im Januar 2010

60 Jahre alt geworden. Der Teddy Award 2010 ehrt den 1996 verstorbenen offen schwulen Musiker. Im Rahmen der Preisverleihung des queeren Filmpreises der Berlinale am 19.2.2010 in Berlin wird ihm eine besondere Hommage zuteil.

 

Teddy Award 2010 „The Kids Are All Right“ featured auf weird Magazins YouTube Channel PLAYLISTS „2/2010 Artefakt …“

Archiv

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Ausgabe Nr. 28

Februar 2010

Update 10.2.10: Die Filme für den Teddy Award 2010 stehen fest. Darunter ist auch der lesbische Thriller „The Owls“ (2010) von und mit Cheryl Dunve („Water Melone Woman“) mit Guinevere Turner und Lisa Gornick. „Owls“ steht dabei für Older Wiser Lesbians. Vier von ihnen, zwei Pärchen, töten in dem an das psychologische Drama der 1960er angelehnten Film versehentlich eine jüngere Lesbe und lassen die Leiche verschwinden. Doch ihr dunkles Geheimnis holt sie ein ...

Update 20.2.10: Gewinner des Teddy Award 2010 ist der lesbische Spielfilm „The Kids Are All Right“ von Lisa Cholodenko („High Art“). Darin geht es um das lesbische Paar Nic (Annette Benning) und Jules (Julianne Moore) und dessen gemeinsame durch künstliche Befruchtung gezeugten Kinder Joni und Laser. Die beiden Teenager finden ihren biologischen Vater und binden ihn bald in ihr Familienleben mit ein.

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