Mitte         Gesellschaft und Kultur

 

 

 

 

 

Uni-Frauen*café Anaconda

Semesterstart

 

Mitte Oktober beginnt das neue Wintersemester 2009/2010. Dann öffnet in der Bielefelder Universität auch wieder das Frauen*café Anaconda. Ein gemütlicher Raum mit Sofas, Theke, Mischpult, Bücherecke zum Kaffee trinken, Pause machen, Abschalten, Treffen, Quatschen, Informieren oder was auch immer man sonst in einem Café machen möchte. Das Anaconda gibt es schon seit etwa 25 Jahren. Wer hätte das gewusst? Damals war es noch ein reines Lesbencafé und sein Name „Anna Konda“. Es entstand dadurch, dass Frauen den leer stehenden Raum der Universität Bielefeld im zweiten Stock des Gebäudeteils U/V besetzten und ihn als Frauenraum, Frauencafé erklärten, heißt es. „Ganz genau weiß ich es aber auch nicht“, sagt So-Rim Jung (Foto). „Es gab leider keine durchgängige Informationskette.“ Die 26-jährige Diplom-Psychologin hat gerade ihr Studium an der Bielefelder Uni beendet und arbeitet seit einigen Jahren im Frauen*café Anaconda. Auch nach Beendigung ihres Studiums will sie ihre Arbeit hier, solange sie in Bielefeld ist, fortsetzen und das Team unterstützen. Für sie ist es wichtig, dass das Anaconda seinen politischen Charakter nicht verliert. Mittelfristig zieht es die Düsseldorferin in Richtung Berlin.

 

So-Rim ist seit sieben Jahren in Bielefeld und kam als „Opfer“ der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) nach Ostwestfalen. „Am Anfang fand ich es total schrecklich“, erinnert sich So-Rim, „aber in den letzten Jahren dann fand ich‘s richtig schön.“ So-Rim grinst. Eilig wegzukommen hat sie es somit nicht. Das läge auch daran, dass sich durch ihre Arbeit für das Anaconda zuletzt auch immer mehr netter Kontakt zu anderen jungen alternativen Frauen aus der Lesbenszene ergeben habe. So-Rim selbst ist nicht lesbisch. Sie bezeichnet sich als queer. Der Rest des 10-köpfigen Anaconda-Teams ist zu Teilen ebenfalls queer. „Ich finde es schade, dass der lesbische Charakter des Anaconda über die letzten Jahre verloren gegangen ist“, erklärt So-Rim. Sie hätte gerne wieder mehr lesbische Veranstaltungen. Einige der Gäste seien lesbisch, aber auch das werde weniger. Trommel- und Bauchtanzkurse sowie Filmabende und Partys gehören heute zum Programm. „Ich finde es schön, dass das Anaconda niedrigschwellig arbeitet. Für unsere Veranstaltungen ist kaum politisches Vorwissen nötig. Wir wollen das Queere näher bringen, aber auch Kontakt zu Lesben schaffen, Toleranz finden.“ Während das Verweilen im Frauencafé Anaconda ausschließlich Frauen, Lesben, Trans*, Inter*, vorbehalten ist, ist der freitägliche Feministische Literaturkurs offen für alle Geschlechter.

 

„Männer dürfen grundsätzlich ins Anaconda“, erklärt So-Rim. „Wir wollen damit symbolisieren, dass wir uns nicht isolieren wollen.“ Es gehe vor allem darum zu vermeiden, dass Männer im Anaconda Aggressionen sähen. Doch mehr als einen Keks bekämen Männer von montags bis donnerstags hier dennoch nicht. Sie dürfen sich ein wenig umsehen und informieren, Kaffee trinken und sich hinsetzen dürfen sie jedoch nicht. „Es geht nicht darum Vorurteile aufzubauen, sondern es geht mehr um den Ort als Rückzugsort“, erläutert So-Rim, warum der Erhalt von Frauenräumen auch heute noch wichtig ist. „Ich habe mich schon immer mit Feminismus beschäftigt. Gleichstellung und Emanzipation ist nichts, was abgeschlossen ist. Bis wir unsere Ziele verwirklicht haben, brauchen wir solche politischen Orte wie das Anaconda.“ Aber es ginge bei dem Erhalt des Frauenraums eben nicht nur um Politik und pure Inhalte. „Es geht darum zu merken, dass es noch mehr Leute gibt, die sich für dieselben Dinge wie man selbst interessieren. Es ist wichtig, Gemeinschaft spüren zu können, einen Rückzugsort zu haben. Das ist wie Urlaub von der typischen Heteronormativität. Darüber hinaus verstehen wir uns explizit als Raum für Frauen mit Gewalterfahrung.“

 

Montags bis donnerstags von 12 bis 16 Uhr hat das Frauen*café Anaconda während des Semesters geöffnet. Das Anaconda ist eine AStA-Gruppe und wird bei seinen Veranstaltungen vom AStA finanziell unterstützt, der Kaffeebetrieb trägt sich selbst. „Am Ende meistens plus, minus Null“, sagt So-Rim. Sie und ihr Team bewirten ihre Gäste in den Räumlichkeiten des Anaconda in U/V2 mit Kaffee, Kuchen, Keksen und kalten Getränken, hauptsächlich Bio- und Fair Trade-Ware. Für Veganer_innen und alle anderen gibt es auch Sojamilch und vegane Kekse, erklärt So-Rim und ist gespannt auf ihre Gäste in diesem Semester: „Wir freuen uns über alle, die reinkommen und hallo sagen!“

 

(Text + Foto: Christine Stonat)

 

 

 

FreiSpiel

Improvisationsworkshop für junge Frauen

 

FreiSpiel ist ein Workshop für junge Musikerinnen und ist als ein Einstieg in die Welt der Improvisation gedacht. „An zwei Wochenenden im November 2009 beschäftigen sich die Dozentinnen mit freien und gebundenen Formen der Improvisation, mit Melodie, Rhythmus, Sounds und mit dem Zusammenspiel in kleineren und größeren Gruppen“, so die engagierten Macherinnen Angelika Niescier und Julia Hülsmann. Julia Hülsmann, Jahrgang 1968, gilt als Ihre aktuelle CD „Fasìl“ entstand zusammen mit Marc Sinan Anfang 2009. Die Zeit bezeichnete die Pianistin und Songschreiberin als „Lyrikerin des deutschen Jazz“. Der Workshop, den sie gemeinsam mit der vielfach stipendierten Saxophonistin Angelika Niescier leitet, ist offen für alle Instrumente und für Gesang. Angesprochen sind junge Frauen, natürlich auch lesbische(!), aus Nordrhein-Westfalen im Alter von 15 bis 25 Jahren. Mindestens zwei Jahre Unterricht ist Voraussetzung. Am Ende der Workshops (Fr. 06.11., 18 h - So. 8.11., 15 h + Fr. 20.11., 18 h - So. 22.11., 15 h in der Bielefelder Musikschule POW!) steht traditionell das Abschlusskonzert der Dozentinnen und Teilnehmerinnen (21. und 22.11.) im Bunker Ulmenwall. Der Workshop für junge Musikerinnen findet in Bielefeld zum wiederholten Male in Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat NRW statt. Anmeldeschluss für Teilnehmerinnen ist 2009 der 30.10. Anmeldungen über den Bunker Ulmenwall www.bunker-ulmenwall.de, Tel.: 1368170.

 

 

 

Ab in die Mitte

Die Bielefeld-Offensive mit lesbischem Beitrag

 

Ab in die Mitte“, so lautet der Titel des City-Offensive NRW 2009. Unter dem Motto „Mensch, Bielefeld! Was bewegt die Stadt?”, leistet die Stadt Bielefeld vom 2. bis 10. Oktober ihren diesjährigen Beitrag. Das abwechslungsreiche Programm (s. www.bielefeld.de) entwickelten über hundert engagierte Akteur_innen aus den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und dem Evangelischen Johanneswerk, aus der Bielefelder City sowie vielen anderen sozialen und kulturellen Einrichtungen der Stadt. Die Regie führt die Bielefeld Marketing GmbH. Eine Lesung der etablierten Bielefelder Lesebühne Sitzen 73 gehört ebenso ins Programm wie ein Festival mit lokalen Bands wie Anorak und Sophie At Mire. Am 3.10. wird es übrigens auch einen lesbischen Beitrag zur City-Offensive geben. Beim Fest der Begegnung ab 14 Uhr auf dem Bethelplatz in Bielefeld-Bethel tritt neben der mitreißenden Soulcover-Band DieKommMitManns auch die nicht minder mitreißende lesbische Bielefelder Trommelgruppe LesBenistas (Foto) auf. Schön die Sambamädels noch einmal vor dem Winter live und in Farbe draußen zu sehen - beim Bielefelder CSD fehlten sie in diesem Jahr nämlich aus terminlichen Gründen. Traditionsgemäß führt die Frauenmusikgruppe mit ihren stets selbstgenähten bunten Kostümen seit einigen Jahren die CSD-Parade an. Mehr zu den LesBenitas s. Archiv Ausgabe Nr. 11 September 2008 (Foto: Christine Stonat)

 

 

 

Weitere Notizen:

 

Am 11.10. ist der Internationale Coming-out-Tag. Dieser wird seit 1988 gefeiert und soll Sichtbarkeit fördern, Menschen für ihr Coming-out Mut machen und  für Aufklärung in der Gesellschaft sorgen.

 

Eine Aktion, die aus Anlass des Coming-out-Tages 2009 stattfindet, ist der Videowettbewerb „Outtakes“ für junge Lesben, Schwule, Transgender, Bi- und Heterosexuelle bis 27 Jahren. Initiatoren sind das Internetmagazin dbna, das Jugendnetzwerk Lambda und der Verein Coming Out Day. Kleine Sachpreise und Gutscheine im Wert von insgesamt 1000 Euro kommen von den unterstützenden Unternehmen Nike, bol.de, Querverlag, Butze Verlag, Pro Fun Media, Edition Salzgeber, Zipitbag und Reno. Alle Videos, die sich kreativ mit dem Thema Coming-out befassen sollen, werden auf YouTube präsentiert. Gewinner ist das Video mit den meisten Klickzahlen. Einsendeschluss ist der 15. November 2009. Mehr unter www.dbna.de/comingouttag

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weird

Ausgabe Nr. 24

Oktober 2009

Gemütlicher und wichtiger Frauen*raum: Das Frauencafé Anaconda in der Uni Bielefeld U/V2 hat ab Semesterstart Mitte Oktober 2009 wieder montags bis donnerstags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Eine der Macherinnen: So-Rim Jung (Foto).

 

 

 

Update: Frauen*café Anaconda online auf http://cafeanaconda.blogsport.de

Junge Frauen machen Musik: Im November 2009 findet in Bielefeld der Improvisationsworkshop FreiSpiel für junge Musikerinnen statt. Anmeldungen bis zum 30.10.09 über den Bunker Ulmenwall.

Die lesbische Sambagruppe LesBenitas als wichtiger Beitrag für Bielefeld: bei der Bielefelder City-Offensive „Ab in die Mitte“ (2.-10.10.09) am 3.10. auf dem Bethelplatz.

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Oktober 2009

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