Mitte         Gesellschaft und Kultur

 

 

 

Lebendigkeit, Offenheit, Kontakt

10 Jahre Wildwasser-Café

Wildwasser Bielefeld - Beratungsstelle für Frauen mit sexualisierter Gewalterfahrung

 

Was 1991 aus einer Selbsthilfegruppe heraus als feministisch-lesbisches Angebot von Frauen für Frauen begann, ist heute eine der wichtigsten Bielefelder Anlauf- und Beratungsstellen für Mädchen und Frauen, die (in ihrer Kindheit) sexualisierte Gewalt erlebt haben. Der Verein Wildwasser Bielefeld e.V. bietet in seinen heute 160 m² großen Räumen in der Sudbrackstr. 36a allen betroffenen Frauen und Interessierten Beratung, Information, Therapie, Kurse sowie eine Leih-Fachbibliothek und ein Café mit Garten als offener Kontakt- und Treffpunkt. Lebenspartnerinnen, aber auch andere weibliche Begleitpersonen, in wenigen Ausnahmefällen sogar auch mal Männer, dürfen die Frauen zu Beratungen etc. begleiten. Rund 900 Frauen kontaktierten 2008 den Verein, davon waren gut 70 über 60 Jahre alt und 90 mit Behinderung. Knapp 500 Frauen wurden in persönlichen Beratungs- und Informationsgesprächen betreut.

 

Das Lesbisch sein spielt in dem Verein dabei bis heute eine große Rolle. Das queere Team besteht aus vier Mitarbeiterinnen, nebst Praktikantin, mit jeweils einer Teilzeitstelle. Der Verein selbst zählt über Hundert Mitfrauen. Seit einigen Jahren wird Wildwasser Bielefeld nicht nur allein durch seine Mitglieder und die Stadt, sondern auch von Aktion Mensch unterstützt. Der Eigenteil bleibe jedoch hoch. „Wir sind immer auf Spenden und Einbringungen von Außen angewiesen“, so Sonja Jung, eine der zwei Wildwasser-Geschäftsführerinnen. Die offen lesbische Diplom-Sozialpädagogin, Erzieherin und feministische sozialtherapeutische Beraterin arbeitet seit über 15 Jahren bei Wildwasser Bielefeld. Ihre Schwerpunkte liegen in der Beratung, Therapie und Selbsthilfe. Als lesbische Frau habe sie eine andere Kultur und Sprache, mit der sie den Frauen, eine auch für den Zugang und Kontakt nicht unerhebliche Selbstverständlichkeit des Lesbisch seins vermittele. „Für die Frauen ist es wichtig, dass wir ihnen gegenüber offen sind“, ist auch Anke Lesner (Foto) überzeugt. Die 44-jährige Diplom-Pädagogin ist die zweite Geschäftsführerin des Vereins Wildwasser Bielefeld und kümmert sich seit 1999 vorwiegend um die Belange des Wildwasser-Cafés. Das feiert 2009 sein zehnjähriges Bestehen.

 

„Zusammenfinden. Stärke entwickeln“, so lautet das Motto von Wildwasser Bielefeld. Ein Motto, unter dem auch das Wildwasser-Café steht. Dienstag und Donnerstag von 13 bis 16 bzw. 16 bis 19 Uhr, aber auch an sozial bedeutsamen Feiertagen wie z. B. Weihnachten kommen hier Frauen jeden Alters, mit und ohne Behinderung, mit und ohne Psychiatrieerfahrung, zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, sich zu unterhalten, sich zu treffen. Das Café bietet dabei einen männerfreien, gewaltfreien, diskriminierungsfreien, unverbindlichen Raum, frei von Psychiatrisierung und gesellschaftlichen Stigmata, der vor allem viel Platz für Eigenes lässt und Identität stiftend wirkt. Seit zehn Jahren begleitet Anke Lesner im Wildwasser-Café die Frauen, die kommen, manche schon regelmäßig seit mehreren Jahren, und ermutigt sie, sich mit anderen auszutauschen und auch das Programm des Cafés aktiv mit zu gestalten. Nichts wird er- oder von oben aufgezwungen, das Prinzip der Freiwilligkeit steht bei den bedarfsorientierten Angeboten von Wildwasser an oberster Stelle. Die Frauen sind sehr dankbar über das Angebot, sind die beiden Geschäftsführerinnen sich einig. Das Konzept des Cafés sei mehr als aufgegangen. Im Wildwasser-Café treffe man neben aller Traurigkeit, Wut und Zorn, vor allem eines: Lebensfreude. Nach zehn Jahren Arbeit für Wildwasser und das Café sei es für sie bis heute jedes Mal ein Highlight zu sehen, welche Strategien Frauen entwickeln, um mit ihren Biografien zu leben, erzählt Anke Lesner. „Im Café trifft sich eine sehr heterogene Gruppe von Frauen mit unterschiedlichsten Biografien und Ressourcen und Ideen der Lebensgestaltung“, so Anke Lesner. 10 Jahre Wildwasser-Café bedeute für sie vor allem „Lebendigkeit, Offenheit, Kontakt“. (Text + Foto: Christine Stonat)

 

Online: www.wildwasser-bielefeld.de

 

 

Veranstaltungen:

 

_Monika Hauser + Chantal Louis: „Nicht aufhören anzufangen. Eine Ärztin im Einsatz für kriegstraumatisierte Frauen“, Lesung und Dikussion, Rochdale-Saal, Altes Rathaus, Bielefeld, 19 h, 15.9.09 (Mehr s. Termine)

 

_Wildwasser e.V. Benefiz-Frauenparty, offen für alle Frauen, live: der Bielefelder Lesbenchor Just Different, DJ see it + randale_a & The Ninette, Falkendom, Bielefeld, 20 h, 25.9.09

 

Mehr zu DJ see it s. diese Archiv-Ausgabe Nr. 23 September 2009

 

Mehr zu Just Different s. Archiv-Ausgabe Nr. 13 November 2008

 

 

 

 

Erstes Treffen

Eltern von homosexuellen Kindern in OWL

 

Homosexuelle Lebensweise braucht Akzeptanz. Dafür kämpft seit August 2009 die neue Elterngruppe homosexueller Kinder in OWL. Sie ist die erste in Bielefeld und OWL und dem 1997 gegründeten Bundesverband BEFAH sowie der Bielefelder Selbsthilfe-Kontaktstelle „Der Paritätische“ angeschlossen. So sollen sich in Zukunft auch Eltern und Angehörige von Lesben und Schwulen im Raum Ostwestfalen-Lippe treffen und austauschen können. „Denn auch Eltern brauchen Information; auch sie haben Angst vor Ablehnung im Verwandten-, Freundes- und Kollegenkreis“, so die Initiator_innen. „Wir wollen uns der Vielfalt des Lebens öffnen und für unsere Kinder eintreten.“ Dabei fordern sie u. a. gleiches Recht vor dem Gesetz und vor der Kirche. Am Samstag, den 5.9.09 trifft sich die neu formierte Elterngruppe erstmals um 16 Uhr im Seminarraum der Weberei in Gütersloh. Alle betroffenen Eltern und Angehörigen sind eingeladen dem Treffen beizuwohnen und die Gruppe so mit aufzubauen. Erstmals öffentlich präsentierte sich die Elterngruppe beim diesjährigen Bielefelder CSD am 15.8.09. (Text + Foto: Christine Stonat)

 

Online: www.befah.de

 

_1. Treffen der BEFAH-Elterngruppe ‚Eltern von homosexuellen Kindern im Raum OWL‘, Weberei, Gütersloh, 16 h, 5.9.

 

 

 

 

Lesbischer Mittelmeerflair

Intern. Women‘s Festival 2009

 

Zwei volle Wochen Party, Konzerte, Workshops, Seminare, Exkursionen, Ausstellungen, Sport, Essen, Trinken und Kultur von Lesben für Lesben aus aller Welt: Das gibt es auch im September des Jahres 2009 wieder und zwar nur auf der griechischen Insel Lesbos. Ein einzigartiges internationales Treffen lesbischer Frauen vor der hinreißenden Kulisse der kleinen griechischen Mittelmeerbucht von Skala Eressos. Der Legende nach soll sich hier in der Bucht die Dichterin Sappho, griechische Ikone und Symbol für die Frauenliebe, rund 600 Jahre v. Chr. von einem Felsen ins Meer in den Tod gestürzt haben. Vom Strand betrachtet, sieht der „Sappho-Felsen“ aus wie das Profil eines Frauenkopfes. Als musikalischer Gaststar des Women‘s Festivals wurde in diesem Jahr Savina Yannatou (Foto) verpflichtet. Die bekannte 50-jährige Sängerin aus Athen wird bei ihrem Auftritt am 7.9.09 von der Pianistin Evgenia Karleyti begleitet. Veranstaltet wird das alljährliche spätsommerliche International Women‘s Festival traditionell von den Damen der Reiseagentur Sappho Travel, dem (lesbischen) Dreh- und Angelpunkt in dem kleinen Örtchen Skala Eressos, das seit vielen Jahren lesbischen Frauen magisch anzieht und eine weltweit einzigartige kleine lesbische Urlaubsinfrastruktur bietet.

 

Online: www.womensfestival.eu

 

Mehr zu Skala Eressos s. „Urlaubsbericht“ Archiv-Ausgabe Nr. 9 Juli 2008

 

 

 

 

Weitere Notizen:

 

Bielefeld hat einen offen schwulen Oberbürgermeister. SPD-Kandidat Pit Clausen gewann, den Umfragen zuvor entsprechend, die Wahl am 30.8.2009 in Bielefeld und löst den langjährigen Oberbürgermeister Eberhard David (CDU) ab. Der 47-jährige gebürtige Rheinländer Pit Clausen ist offen schwul, was er politisch für Lesben und Schwule der Stadt anstreben wird, bleibt abzuwarten. Zuletzt hatte die SPD auf Anfrage des lesbisch-schwulen Netzwerkes, zum CSD Bielefeld am 15.8.09 die Regenbogenflagge am Rathaus zu hissen, der Community ebenso wie CDU und FDP keinerlei Rückendeckung gegeben. Dass die Flagge doch gehisst werden konnte, war kurzfristig mit Hilfe der Grünen initiiert worden. Teilen der Community ist Clausen zudem nicht offen genug, z. B. im Umgang mit Homosexualität als öffentliches Thema.

 

 

Der Felix-Rexhausen-Preis 2009 wurde am 9. August in Hamburg gleich zweimal vergeben: an den Journalisten Frank Stocker sowie auch an die Journalistin Christine Schön. Im Hörfunkbeitrag „Nachhall. Junge Lesben suchen nach ihrer Geschichte“ stellt die Berlinerin Christine Schön Coming-out-Geschichten von acht Frauen verschiedener Generationen gegenüber. Der Beitrag wurde im April auf SWR2 gesendet und wird am 16.12.09 um 19.20 Uhr auf SWR2 wiederholt. Der Felix-Rexhausen-Preis ist seit 1998 der alljährliche Medienpreis vom Verband lesbischer und schwuler JournalistInnen.

 

Online: www.felix-rexhausen-preis.de

 

 

Ein Kommentar:

 

Das Magnus ist Geschichte. Schluss, aus, vorbei! Das war‘s. Nach über 16 Jahren wurde am 23. August 2009 die Kultkneipe/Restaurant für Lesben und Schwule geschlossen. Die erst im Oktober 2008 von den letzten Betreibern, Michael Niemann (Ratscafé KaffeeKunst) und Kompagnon, neu renovierten Räume in der August-Bebel-Straße sind verkauft. Hier eröffnet jetzt ein ganz „normales“ Restaurant. Damit hat Bielefeld eine Szene-Anlaufstelle weniger. Einzig und allein, die von überwiegend schwulem Publikum besuchte (Nacht)Bar Mutti‘s Bierstube am Kesselbrink ist in Bielefeld jetzt noch als öffentliche Kneipe/Bar in rein homosexueller Hand, von und für die Szene. Zuletzt kamen einfach keine Gäste mehr. Der kontinuierliche Abwärtstrend des Magnus zeichnete sich ab, seitdem der erste Besitzer und Mitbegründer vor einigen Jahren das Magnus an eine Mitarbeiterin verkaufte, bevor es an den Betreiber von Mutti‘s Bierstube ging und zuletzt u. a. an den Betreiber des Bielefelder Ratscafés Kaffeekunst. Allesamt szene- und gastrokundig, und dennoch, der Erfolg blieb aus, die Gäste weg. Längst ist das Magnus als einst weit über die Szene hinaus für seine ausgezeichnete Küche renommiertes Restaurant mit seinem gelebten Lindenstraßen-TV-Kult passé. Jetzt ist es sogar geschlossen. Für immer. Die Szene scheint gelassen. Braucht Bielefeld keine explizite Gastronomie für Lesben und Schwule mehr? Ist das die heutige Zeit? Sagt das etwas über Bielefelds Lesben und Schwule aus? Oder ist es nur das Resultat einer Aneinanderreihung unglücklicher unternehmerischer Entscheidungen? weird bedauert das Aus des Magnus und begrüßt ein neues lesbischschwules Café/Kneipe/Restaurant als wichtigen Ausdruck homosexuellen Lebens in Bielefeld. Doch das steht wohl noch in weiter Ferne. Bielefeld ist bekannt für seine überdurchschnittlich vielen gastronomischen Betriebe. Die Szene findet darin Platz, aber einfach nicht mehr ihren ganz eigenen lesbisch-schwul definierten. (von Christine Stonat)

 

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weird

Ausgabe Nr. 23

September 2009

Anke Lesner (Foto), eine der zwei Geschäftsführerinnen, freut sich: Das Wildwasser-Café des Vereins Wildwasser Bielefeld feiert 2009 sein 10-jähriges Bestehen. Die offizielle Feier gab es bereits. Jetzt im September findet in diesem Rahmen die traditionelle Benefiz-Frauenparty am 25.9.09 im Falkendom statt.

Homosexuelle Lebensweise braucht Akzeptanz: Dafür kämpft seit August 2009 die neue Elterngruppe homosexueller Kinder. Sie ist die erste in Bielefeld und OWL und u. a. dem Bundesverband BEFAH angeschlossen. Das Foto zeigt die Gründungsmitglieder bei ihrem ersten öffentlichen Auftreten beim CSD Bielefeld am 15.8.09 vor dem Bielefelder Alten Rathaus.

Vom 5. bis 19.9.09 treffen sich wieder an die Tausend Lesben im kleinen Örtchen Skala Eressos auf der griechischen Insel Lesbos beim International Women‘s Festival 2009. Musikalischer Höhepunkt: Der Auftritt der bekannten griechischen Sängerin Savina Yannatou.

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September 2009

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