Seite 3

weird

  zurückblättern                                     vorblättern 

Anzeigen

gayPARSHIP.com - Finde die Liebe Deines Lebens
Singlebörse neu.de - Hier fängt es an...

Lesbisch sein in …           

 

 

 

New York

 

Astrid Ovalles

 

Interview.

 

 

 

 

 

 

 

weird: Du bist Filmemacherin und Schauspielerin. Warum hast du dich dafür entschieden in deinem ersten Film „Camp Belvidere“ (2014) Regie zu führen und eine der Hauptrollen zu spielen?

 

Astrid Ovalles: Ich habe mich dazu entschieden Regie zu führen und selbst mitzuspielen, weil ich Jahre mit Vorsprechen verbracht habe und dem Warten darauf, dass andere mir tolle Rollen und Drehbücher, die mich bewegen, anbieten würden, aber war damit niemals erfolgreich. Unglücklicherweise sind freie Rollen für Frauen heute schlichtweg schrecklich. Hin und wieder begegnet dir ein gutes Drehbuch mit einer guten Rolle, und dann musst du mit Hunderten anderer konkurrieren, die genau dasselbe wollen. Ich wollte einen Film machen, den ich mir selbst anschauen würde und in dem ich selbst eine Rolle, die mir Spaß macht, hätte spielen wollen, also entschied ich mich es selbst zu machen.

 

 

weird: Mit 38 Minuten ist „Camp Belvidere“ ein relativ langer Kurzfilm. Was hat dich schlussendlich zu der Länge deines Films geführt?

 

Astrid Ovalles: Als wir begann über Camp Belvidere nachzudenken, wollten wir, dass es ein wirklich kurzer Film wird, aber als sich das Drehbuch entwickelte, wurde es schwierig, diese besondere Geschichte in so einer kurzen Zeit zu erzählen. Wäre er kürzer gewesen, hätte der Handlungsbogen der Charaktere unrealistisch gewirkt. Und offen gesagt, gab es keinen Grund, warum wir es nicht hätten tun können. Also haben wir Szenen hinzugefügt bis wir das Gefühl hatten, dass alles passt. Ich hätte den Film sogar gerne noch länger gesehen, aber weil wir nur ein begrenztes Budget hatten, mussten wir einen Kompromiss machen.

 

 

weird: Co-Regisseurin des Films ist Oriana Oppice. Wie habt ihr zwei euch kennen gelernt und wie war die Arbeit an dem Film zwischen euch aufgeteilt?

 

Astrid Ovalles: Sie ist meine seelenverwandte Schwester. Wir trafen uns in einer Schauspielklasse in Manhattan. Wir wussten von der ersten Begegnung an, dass wir die gleichen Dinge anstrebten und unbedingt wirklich großartige Geschichten erzählen wollten. Geschichten ohne Quatsch oder Aufgeblasenes oder so. Wir wollten beide menschliche Geschichten, deshalb ging ich sofort zu ihr als ich merkte, dass ich jemanden brauchte, der mir bei den Rollen half, und sie hat ja gesagt. Oriana hat sich am Set um die Anweisungen für die Schauspieler_innen gekümmert. Für mich war es sehr wichtig, dass ich mit jemanden zusammenarbeite, dem ich vertrauen kann, denn ich würde eine Rolle in dem Film übernehmen und brauchte jemanden, der die Charaktere so gut kannte wie ich und die gleiche Vorstellung vom Schauspielen hat. Um es mal wirklich kitschig zu formulieren, sie war meine Augen, wenn ich nicht sehen konnte. Als wir in der Post-Produktion waren, bin ich ständig zu ihr und bekam zu allem ihren Input, so dass wir beide mit dem Ergebnis glücklich waren und um sicher zu gehen, dass ich nicht irgendwas vergessen hatte.

 

 

weird: Du hast mit Recluse Films dein eigenes Filmunternehmen gegründet und legst darin deinen Fokus explizit auf Geschichten über lesbische/queere Frauen. Wieso war das für dich wichtig?

 

Astrid Ovalles: Es ist mir wichtig die Geschichte von Frauen zu erzählen, weil ich mich schon viel zu lange entfremdet fühle. Selbst heutzutage, wo wir doch eigentlich anständiger sein sollten, begegne ich unaufhörlich Hass gegenüber queeren Menschen und Ignoranz gegenüber Frauen allgemein. Wenn die Leute herausfinden, dass ich lesbisch bin, denken sie, es sei ein Scherz und dass ich den richtigen Mann noch nicht gefunden habe, und wenn sie herausfinden, dass ich Filme mache und mich selbst als erfolgreich sehe, glauben sie mir nicht, einfach nur aus dem Grund, weil ich eine junge Frau bin. Einige Leute waren regelrecht perplex aufgrund der Tatsache, dass ich nicht bei meinen Eltern wohne oder zusammen mit meinem Mann! Es ist ärgerlich, die Wahrheit zu sagen. Wenn Sichtbarkeit in den Medien hilfreich ist, um voranzukommen, dann will ich dabei eine Rolle spielen. Ich denke, Frauen, queer oder nicht, müssen gesehen werden, mit all dem, was sie alles fähig sind zu tun. Ich denke, wir sehnen uns danach gehört und bewundert zu werden. Wir haben unsere eigene Kultur und unsere eigene Art zu lieben und Dinge zu tun oder niemand sieht das. Es ist fast so als seien wir unsichtbar. Deshalb ist es wichtig für mich diesen Menschen zu zeigen, dass ich sie sehe, und dass ich eine von ihnen bin und jemand da draußen sie versteht.

 

 

weird: Wie du schon sagst, es fehlt im Film an weiblichen und lesbischen / queeren Charakteren, (queeren) Filmemacherinnen, die Kinofilme machen und zeigen können, und an weiblichen und lesbischen / queeren Geschichten. Es geht um Sichtbarkeit. Was unterscheidet dich?

 

Astrid Ovalles: Ich will mich auf all den Gebieten unterscheiden. In Zukunft, vielleicht in 10 Jahren, will ich jungen Frauen helfen, eine Ausbildung im Storytelling zu erhalten und ihnen die Möglichkeit geben, Einfluss auf die Filmindustrie zu haben. Aktuell möchte ich mich auf das Schreiben von Geschichten von Frauen und Charakteren mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen fokussieren.

 

 

weird: Momentan arbeitest du an deinem ersten Spielfilm. Kannst du schon etwas darüber sagen?

 

Astrid Ovalles: Zu diesem Zeitpunkt kann ich sagen, dass es eine böse Komödie sein wird, die sich um drei Frauen dreht, die sich gemeinsam auf einen Roadtrip einlassen. Ich kann sagen, dass Oriana Oppice, Sarah Jo und ich darin die Hauptrollen übernehmen werden und dass wir Dinge vereinen, die bislang noch nicht im Film zu sehen waren, zumindest nicht in den Mainstreammedien. Wir lieben das Drehbuch sehr, deshalb gehen wir sicher, dass es stabil ist, damit wir eine ausgezeichnete Basis haben, wenn wir mit den Dreharbeiten beginnen.

 

 

weird: Du bist in Venezuela geboren und hast seit deiner Kindheit als Schauspielerin gearbeitet. Kannst du sagen, worin sich das Filmemachen in Venezuela und den USA, auch für Frauen, unterscheidet?

 

Astrid Ovalles: Ich wurde in Venezuela geboren, aber ich bin von dort weg als ich 11 Jahre alt war, deshalb kann ich ehrlich gesagt nicht viel dazu sagen, worin sich die Filmindustrie unterscheidet. Ich habe nicht genug Zeit dort verbracht, um das zu wissen. Ich wünschte, ich wüsste mehr, aber so wie das politische Klima unglücklicherweise dort derzeit ist, bezweifle ich, dass ich in absehbarer Zeit dorthin fahren werde.

 

 

weird: Du bist nach New York gezogen, hast dein eigenes Unternehmen gegründet und angefangen Geschichten zu erzählen. Was liebst du an New York?

 

Astrid Ovalles: New York ist mein Zuhause. Wenn ich hier bin, bin ich von Leuten unterschiedlicher Herkunft und Ethnien und aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen umgeben. Die Leute hier sind überwiegen offen und bereit Vielfalt anzunehmen. Ich liebe es, dass es immer etwas zu tun gibt, besonders spät in der Nacht. Ich liebe es, dass es schmutzig und sexy werden kann und zugleich wunderschön und künstlerisch. Es ist wie ein kleiner Ausschnitt dessen, was ich glaube, wie die Welt sein sollte; verschiedenste Menschen, die zusammenleben und sich gegenseitig akzeptieren, Dinge kreieren und das Leben in jeder Stunde genießen.

 

 

weird: Wie war deine Kindheit in Venezuela? Wie früh wusstest du, dass du lesbisch bist?

 

Astrid Ovalles: Ich hatte mein Coming-out mit 14 in den USA. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich eine sehr glückliche Kindheit in Venezuela hatte und Gott sei Dank noch nicht daran dachte, mit dem ich schlafen würde.

 

 

weird: Du bist Regisseurin und Schauspielerin, aber auch Malerin. Das bewegte Bild, sprich der Film, und das Stillleben, sprich das Gemälde, scheinen auf den ersten Blick eine ganz gegensätzliche Form der Kunst zu sein, oder?

 

Astrid Ovalles: Ich denke nicht, dass sie so unterschiedlich sind. Film ist unglaublich visuell und es ist wichtig für mich, dass ich weiterhin Filme mache, die visuell Spaß machen. Ich denke, dass Malen ein Element des Films ist. Wir glätten Dinge, die dreidimensional sind und umgekehrt erinnern sie an eine Serie von Gemälden. Wir achten auf Farben, Raum, Schatten und Bewegungen, so wie beim Malen.

 

 

weird: Zeichnest du so etwas wie ein Storyboard zu Beginn einer Filmidee?

 

Astrid Ovalles: Nein, ich bin nicht wirklich ein Fan von Storyboards. Ich denke, sie sind zeitaufwändig und schränken dich ein. Ich arbeite gern mit dem Kameramenschen, wenn wir am Drehort sind und das Bild im Moment planen und einstellen. Meine Ideen kommen typischerweise von den Charakteren und sie entwickeln sich, wenn sie mit anderen Charakteren in Verbindung treten. Ich mag es lieber, wenn das Bild die Geschichte unterstützt und nicht andersherum.

 

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (9/2015)

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

 

Name: Astrid Ovalles

Alter: --

Beruf: Regisseurin / Schauspielerin

Wohnort: New York

Meine weirdeste Eigenschaft: Ich gebe meiner Partnerin immer einen kleinen Klaps, wenn sie sich nicht benimmt.

 

 

Astrid Ovalles ist Schauspielerin und Regisseurin. Bereits seit ihrer Kindheit in Venezuela hat sie eine Leidenschaft für den Film und die Schauspielerei. Mit 11 kam sie in die USA. Später entscheidet sie sich nach New York zu ziehen. Hier gründet sie ihr eigenes Filmunternehmen Recluse Films. Ihre erste Arbeit als Regisseurin und Unternehmerin ist der 38-minütige lesbische Kurzfilm „Camp Belvidere“ (2014), der aktuell auf internationalen Filmfestivals zu sehen ist. Finanziert hat sie den Film u. a. durch Crowdfunding. „Camp Belvidere“ erzählt die Geschichte von Krankenschwester Gin (gespielt von Astrid Ovalles selbst) und der jüngeren Betreuerin Rose (Molly Way), die sich in den 1950ern in einem Sommercamp begegnen. Inspiriert wurde Astrid Ovalles von den lesbischen Groschenromanen der 1950er Jahre.

 

Derzeit arbeitet Astrid Ovalles an ihrem ersten Spielfilm, der 2017 Premiere haben soll. Was das für ein Film wird, über Sichtbarkeit und warum es ihr wichtig ist, Geschichten von queeren Frauen zu erzählen, warum ihr Kurzfilm gar nicht mal so kurz geworden ist, was sie an New York liebt und ob es für sie zwischen ihrer dritten künstlerischen Tätigkeit, der Malerei und dem Film Unterschiede gibt, erzählte Astrid Ovalles im aktuellen weird-Interview.

 

 

 

Online:

www.astridovalles.com

 

 

 

„Camp Belvidere“

(Recluse Films)

USA 2014, 38 Minuten

Regie: Astrid Ovalles

www.campbelvidere.com

 

Ausgabe Nr. 96

Oktober 2015

„Wenn Sichtbarkeit in den Medien hilfreich ist, um voranzukommen, dann will ich dabei eine Rolle spielen.“

Astrid Ovalles (links, mit Molly Way) in ihrem lesbischen Kurzfilm „Camp Belvidere“

gayPARSHIP.com - Finde die Liebe Deines Lebens

Anzeige

weird

RSS News Feed

weird

YouTube-Kanal

weird

auf Facebook

Ihr befindet euch im Archivbereich:

 

Ausgabe Nr. 96

Oktober 2015

Archiv

© 2007-2017 weird

Über weird | Archiv