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Lesbisch* sein in …      

 

 

 

Palma de Mallorca & Paderborn

 

Kimberly Dorn | queerPB. Interview

 

 

 

 

 

 

 

weird: Du warst für einige Monate zum Studium in Spanien. Wo in Spanien warst du?

 

Kimi: Mein Auslandssemester führte mich nach Palma de Mallorca. Dort habe ich an der Universität der Balearen für sechs Monate studiert. Mein Fokus lag dabei auf der historischen Entwicklung des Tourismus auf der Insel und was das für die ökologische und ökonomische Zukunft von Mallorca bedeutet.

 

 

weird: Was studierst du?

 

Kimi: Ich studiere den Bachelor International Business Studies an der Universität Paderborn. Das bedeutet ich studiere eine Kombination aus Wirtschaftswissenschaften, Englisch und Spanisch. Ich befinde mich momentan im 6. Semester und werde das Studium bis Ende des Jahres mit meiner Bachelorarbeit abgeschlossen haben. Meine Bachelorarbeit könnte sich um das Thema des Diversity Managements handeln – das Management von Minderheiten in Unternehmen, LGBTIQA eingeschlossen. Das fände ich persönlich sehr interessant.

 

 

weird: Hast du während deiner Zeit in Spanien offen gelebt und dich dort aktiv engagiert? Wenn ja, wie war das und was war anders im Vergleich zu Paderborn?

 

Kimi: Da mein Coming-out schon einige Jahre zurückliegt, bin ich in Spanien mit meiner sexuellen Orientierung stets offen umgegangen. Aktives Engagement ließ die kurze Zeit, die ich in Palma verbracht habe, leider nicht zu. Ich fand auch leider keine wirklich ausgeprägte Szene. Die Angebote gerade für Frauen ließen zu wünschen übrig. Für die Jungs gab es allerdings allerhand wie z. B. eine ausgewiesene Cruising-Bar direkt gegenüber meiner Wohnung. Generell bin ich aber auf sehr tolerante Spanier in der Stadt getroffen. Im September findet außerdem zum zweiten Mal das ELLA Festival für Frauen in Palma statt. Es handelt sich um eine neuntägige Veranstaltung bestehend aus Partys, Filmvorführungen, Sportveranstaltungen, Kongressen und einem ausgewogenen Kulturprogramm. Vielleicht schaffe ich es dafür noch mal nach Palma zurückzukehren.

 

 

weird: Wie definierst du dich selbst innerhalb von LGBTIQA?

 

Kimi: Eigentlich mag ich die typische Definition nicht aber es macht manchmal vieles einfacher. Lesbisch würde am besten zutreffen (grinst).

 

 

weird: Jetzt im August 2015 kommst du zurück nach Paderborn, wo du dich aktiv für LGBTIQA engagierst. Wo und wie bist du aktiv?

 

Kimi: Ich versuche mich regelmäßig bei queerPB zu engagieren. Besonders beim schwul-lesbischen Stammtisch in der Gaststätte zum Ölberg in Paderborn.

 

 

weird: In Paderborn gibt es mit queerPB die Vernetzung von LGBTIQA-Gruppen (s. www.queerPB.de) Wie bist du dazu gekommen?

 

Kimi: Die Vernetzung queerPB entstand schon bevor ich aus studientechnischen Gründen 2011 nach Paderborn zog. Durch Zufall bin ich irgendwann auf die Initiative aufmerksam geworden. Ich war überrascht von dem großen inhaltlichen Spektrum was queerPB abdeckt. Von Sport, Kochen, schwul-lesbischer-Schulaufklärung, LGBT und Kirche bis Aidsprävention war alles zu finden. Ich fand es interessant wie die Gruppen von queerPB von spaßigen bis ernsten Themen alles abdeckten. Richtig begonnen hat mein Engagement aber erst mit dem LGBT-Stammtisch.

 

 

weird: Du hast u. a. diesen LGBT-Stammtisch initiiert, der sich regelmäßig donnerstags trifft. Wie kam es zu der Idee und der Umsetzung?

 

Kimi: Ja, das ist richtig. Ich wusste über queerPB bereits von der langjährigen Existenz eines Lesbenstammtisches. Da dieser aber eher die Generation 40+ anspricht, dachte ich mir irgendwann, dass Paderborn als Universitätsstadt sehr jung und dynamisch sein kann. Ich nahm mir damals die plakative Annahme, dass 10 % der Bevölkerung queer sind zur Hand und brach das auf die 18.000 Studenten an der Universität Paderborn runter. Das Potenzial für einen LGBT-Stammtisch für jedes Alter erschien mir sehr groß. Daraufhin sprach ich mit Ralf Selle, dem Wirt vom Ölberg, und wir entschieden etwas Neues in Paderborn aufziehen zu wollen. Ohne die Unterstützung von Ralf und dem Ölberg wäre es schwer geworden eine solche Idee so problemlos und schnell in Paderborn umzusetzen.

 

 

weird: Wie viele seid ihr heute und was sind eure Themen?

 

Kimi: Wir begannen beim ersten Stammtisch mit einer großartigen Zahl von 30 Teilnehmern. Mit der Zeit und wegen Terminüberschneidung zu anderen Veranstaltungen von queerPB sank die Teilnehmerzahl auf einen festen Kern von 6-10 Leuten. Die Themen kamen immer spontan auf. So wie das bei einem Stammtisch meistens läuft. Worüber wir uns aber immer wieder unterhalten haben war, wie wir den Stammtisch in Paderborn bekannter machen können. Zur besseren Vereinbarkeit mit den anderen Terminen von queerPB legten wir zum Beispiel den Termin von Dienstag auf Donnerstag um. Aller Anfang ist schwer aber vor dem Hintergrund, dass ich befürchtete alleine beim ersten Termin im Ölberg zu sitzen, bin ich mit der Entwicklung sehr zufrieden.

 

 

weird: In Paderborn, so scheint es, gibt es mittlerweile mehr Angebote für LGBT als in der großen Nachbarstadt Bielefeld. Woran glaubst du liegt das, dass sich in den letzten Jahren so viel in Paderborn entwickelt hat?

 

Kimi: Aus meiner aktiven Zeit in der LGBT-Szene in meiner Heimatstadt Düsseldorf weiß ich, dass erfolgreiches, nachhaltiges LGBT-Engagement mit motivierten Menschen steht und fällt. An meinem Stammtisch hab ich gesehen wie mühsam es sein kann, sich erst mal profilieren zu müssen. Wenn du am Ball bleibst, ist es selbst in einer erzkatholischen Stadt wie Paderborn möglich, eine funktionierende und aktive Szene aufzubauen. Paderborn und Bielefeld sind nun mal keine Großstädte, die von sich aus eine offene vielfältige Bevölkerungsstruktur mitbringen. In Köln oder Düsseldorf funktioniert so was viel schneller. Dadurch, dass aber beide Städte Universitätsstädte sind, sehe ich großes Potenzial. Bielefeld muss nur weitermachen.

 

 

weird: Im Juni 2015 feierte Paderborn dann auch seinen ersten bzw. nach 20 Jahren zweiten CSD? Warst du ggf. trotz Spanien-Aufenthalt dabei?

 

Kimi: Leider war es mir durch den Spanien-Aufenthalt nicht möglich am ersten Paderborner CSD teilzunehmen. Die Idee entstand innerhalb der Vernetzung queerPB und die Organisation, Themenfestlegung etc. wurde transparent mit allen Interessierten der verschiedenen Gruppen geplant. So ist es ein CSD geworden der von den LGBTs selbst umgesetzt wurde. Ich weiß, dass die Organisatoren mit dem Ergebnis zufrieden waren. Die Planung mit allerlei Verbesserungsvorschlägen für den nächsten CSD ist aber schon in vollem Gange. Ich hoffe beim nächsten CSD aktiv dabei sein zu können, auch wenn sich meine Studienzeit im schönen Paderborn langsam dem Ende zuneigt.

 

 

weird: Paderborn ist über das Bielefelder Netzwerk lesbischer und schwuler Gruppen auch mit Bielefeld vernetzt. Kommen auch Leute aus Bielefeld und nehmen eure Angebote wahr?

 

Kimi: Da ich an den anderen Gruppen nicht sehr nah dran bin und sie nicht regelmäßig besuchen konnte, kann ich nur für den Stammtisch sprechen. Hier hatten wir beim ersten Termin tatsächlich zwei Teilnehmerinnen aus Bielefeld was mich persönlich sehr gefreut hat.

 

 

weird: Du kommst ursprünglich nicht aus Paderborn, sondern?

 

Kimi: Ich komme gebürtig aus einer kleineren Stadt in der Nähe von Düsseldorf. Deswegen bezeichne ich mich als Düsseldorferin. Nach Paderborn kam ich zum Studium. Ich kannte die Stadt aus mehreren Besuchen vorher und es hat mir hier immer sehr gut gefallen. Die Kombination aus meinem Studiengang, der Uni und der Stadt haben mich überzeugt das Rheinland temporär für Ostwestfalen einzutauschen.

 

 

weird: Welche LGBTIQA-Themen und deren Umsetzung stehen für dich in Paderborn oder auch generell als nächstes auf der Agenda?

 

Kimi: In Paderborn gibt es viele coole LGBT-Ansätze. Man beschäftigt sich auch mit kontroversen Themen wie der Kirche und mit der Integration von LGBT-Angestellten und Studenten an der Uni. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Sachen intensivieren und motivierte Leute dort am Ball bleiben um etwas Nachhaltiges in Paderborn zu kreieren. Manche Initiativen und Themen befinden sich noch in Kinderschuhen. Persönlich möchte ich mich mit der Integration von LGBT und Minderheiten in wirtschaftlichen Unternehmen beschäftigen. Ein Thema das mir politisch am Herzen liegt ist die vollkommene Gleichstellung der Ehe.

 

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (7/2015)

Fotos: privat

Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

 

Name: Kimi

Alter: 23

Beruf: Studentin

Wohnort: Paderborn/Düsseldorf

 

Kimi, 23, kommt aus der Nähe von Düsseldorf und studiert seit 2011 in Paderborn International Business Studies. Im August 2015 kehrt sie von einem Auslandssemester in Palma de Mallorca nach Paderborn zurück. In Paderborn engagiert sie sich aktiv für das Netzwerk queerPB und initiierte den LGBT-Stammtisch, der jeden 3. Donnerstag, 19.30 Uhr, in der Gaststätte zum Ölberg stattfindet.

 

Online: www.queerPB.de

 

Ausgabe Nr. 94

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