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Lesbisch sein in …           

 

 

New Orleans

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit

 

Aryka Randall

 

 

 

 

 

weird: Wie leicht oder auch schwer ist es dir gefallen, nicht mehr länger „nur“ einen Blog zu schreiben, sondern ein ganzes Drehbuch für dein erstes filmisches Projekt, die Webserie „Girl Play“?

 

Aryka Randall: Meinen Blog zu bewerkstelligen war für mich eine sehr leichte Aufgabe, einfach aufgrund der Tatsache, dass ich es liebe zu schreiben und meine Ideen mit anderen zu teilen. Mein Blog hat mir ein kreatives Ventil geboten, um mich als Autorin zu entwickeln und intellektuell zu wachsen. Die Dialoge für eine Webserie zu schreiben war sehr interessant. Es war definitiv eine viel größere Herausforderung als jeder einzelne meiner Blogposts. Der Schlüssel für gute Filmdialoge ist, wirklich seine Aufmerksamkeit darauf zu richten, wie Menschen miteinander interagieren. Ich habe gelernt, auf jedes kleine Gespräch zwischen allen um mich herum zu achten.

 

 

weird: Die Protagonistinnen der Serie „Girl Play“ seien alle selbst lesbisch, so ist es zu lesen. Wie hast du sie gecastet?

 

Aryka Randall: Der Großteil des Casts von „Girl Play“ ist lesbisch, schwul oder bisexuell. Die Hauptakteurinnen sind alle lesbisch, die anderen überwiegend. Wir haben jedoch auch einige heterosexuelle Cast-Mitglieder. Das ist ziemlich cool. Das Casting selbst war in etwa so wie ich gedacht hätte, dass es sein würde. Einige der Girls wurden mir von gemeinsamen Freundinnen vorgestellt. Der Rest wurde über Twitter und Facebook gecastet. Die Bewerber_innen haben mir Videos geschickt, in denen sie einen Dialog aus dem ersten Skript lasen. Nach dem Sichten der Bewerbungsvideos war es einfach zu entscheiden wer gut für die Rollen geeignet sein würde.

 

 

weird: Wie hast du deine erste filmische Arbeit empfunden?

 

Aryka Randall: Meine erste Webserie zu schreiben und zu produzieren und Regie zu führen, war eine unglaublich tolle Reise und zugleich ein Versuch. Film ist nichts für schwache Nerven. Zu sehen, wie meine Ideen Früchte trugen, war toll, aber der Prozess des Filmens selbst war nicht annähernd so wie ich es mir vorher vorgestellt hatte. Zum Glück habe ich ein Superteam, das mir geholfen hat, und wir es so schaffen, das Ganze ohne zu viel Wirbel über die Bühne zu bringen.

 

 

weird: Die einzelnen Episoden sind 15 bis 20 Minuten lang. Für eine Webserie ist das ziemlich viel. Warum habt ihr euch dazu entschieden?

 

Aryka Randall: Neira, meine Co-Autorin, und ich wollten, dass die Folgen zwischen 15 und 22 Minuten lang sind, weil unsere Serie eine Reminiszenz an „Sex And The City“ und „Girlfriends“ sein sollte. Die meisten Fernsehshows bei den großen Sendern sind 22 Minuten lang. Ich habe herausgefunden, dass 15 bis 20 Minuten ein guter Ausgangspunkt für „Girl Play“ ist.

 

 

weird: Du hast mal gesagt, dass du bis du 30 bist ein Buch schreiben willst. Du bist jetzt 26. Wird es weitere Filmprojekte von dir geben oder wirst du dich in Zukunft wieder mehr aufs Schreiben konzentrieren - oder beides?

 

Aryka Randall: Ich würde auf jeden Fall gerne ein Buch in naher Zukunft schreiben. Ich würde gerne „Girl Play“  als Buch adaptieren und in einem zweiten Buch den Fokus auf Empowerment junger Frauen legen. Ich habe außerdem ein paar Filmprojekte im Kopf, die ich bald anfangen möchte zusammenzubringen.

 

 

weird: Es scheint ein bisschen so, als drehe sich in deinem Leben und bei deiner Arbeit alles ums Femme sein (lacht). Die Serie handelt von Femmes und basiert auf deinen Fab Femme-Blog-Kurzgeschichten „Confessions Of A Femme“ (auf Deutsch „Bekenntnisse einer Femme“). Wie definierst du Femme für dich und warum definierst du dich selbst als Femme?

 

Aryka Randall: Das ist eine großartige Frage. Femme zu sein, bedeutet für mich die eigene Weiblichkeit zu umarmen. Ich liebe es Make-up zu tragen und mir die Haare und Nägel machen zu lassen. Ich bin mit meinen  femininen Eigenschaften meiner Persönlichkeit sehr verbunden und liebe es. Ich definiere mich als Femme aus dem wie ich mich im Innern fühle. SUPER GIRLY! (Lacht)

 

 

weird: In deiner Arbeit geht es darum junge Frauen zu ermutigen und den Graben zwischen LGBTQ und denen, die dem „entgegenstehen“, zu überbrücken, so sagst du. Du behandelst Intersektionalität und Stereotype und Diskriminierung von Femmes of Color innerhalb der lesbischen Community. Dir geht es, so sagst du, um Sichtbarkeit und darum ein positives Image bis hin in die Mainstream-Medien zu kreieren. Wie schätzt du den Status Quo deiner Arbeit ein?

 

Aryka Randall: Der Status Quo ist positiv. Ich denke, ich habe gute Arbeit geleistet, femininen Lesben of Color zu helfen eine stärkere Stimme in der LGBT-Community zu haben. Das wird hoffentlich auch bis in die Mainstream-Medien rübersickern, so dass lesbische Frauen of Color auch weiterhin mehr und mehr sichtbar werden.

 

 

weird: Was oder wer bestärkt dich bei deiner Arbeit?

 

Aryka Randall: Die Leute, die mich unterstützen, bestärken mich weiterzumachen. Das Mediengeschäft ist manchmal hart, aber ich will mich nicht irgendwann so fühlen als wäre meine Arbeit für nichts gewesen. Ich will die Dinge tun, für die ich Leidenschaft empfinde, und weiterhin andere Leute inspirieren.

 

 

weird: Gibt es etwas bei deiner Arbeit, was dich zweifeln lässt oder frustriert?

 

Aryka Randall: Ich denke, alle haben mal einen schwachen Moment, in dem sie Selbstzweifel überkommen und darüber nachdenken aufzuhören oder aufzugeben. Zum Glück habe ich sehr gute Freund_innen, die mich daran erinnern, weiterzumachen, wenn es mal hart wird.

 

 

weird: „Girl Play“ ist die erste lesbische Of-Color-US-Dramady-Serie der USA. Wie ist es für dich, dass du es warst, die die Idee dazu hatte und sie 2013 umsetzen konnte, und dass das nicht schon viel früher jemand anderes getan hat?

 

Aryka Randall: Ich bin mir nicht sicher, wie ich mich fühlen soll (lacht). Ich bin glücklich darüber, dass ich die Erste war, die die Idee hatte, aber es ärgert mich auch, dass das niemand schon früher gemacht hat. Ich habe nie verstanden, warum es so lange dauert eine Show zu machen, die feminine lesbische Frauen of Color zeigt.

 

 

weird: Du lebst in New Orleans und auch „Girl Play“ spielt dort. Aufgewachsen bist du aber in Kalifornien und kamst im fortgeschrittenen Teenagealter nach Louisiana. Wann und wo hattest du dein Coming-out?

 

Aryka Randall: Ich hatte mein „Coming-out“ in meinem zweiten Jahr am College. Ich traf mich mit einem Mädchen, das ich durch gemeinsame Freundinnen auf dem Campus kennengelernt hatte. Ich hatte nie ein offizielles „Coming-out“-Gespräch mit Freund_innen oder Familie. Ich habe einfach angefangen Frauen mitzubringen und dadurch haben sie gemerkt, dass ich lesbisch bin.

 

 

weird: Wie kam es, dass du 2004 von San Diego nach Louisiana kamst?

 

Aryka Randall: Ich zog 2004 mit meiner Mom nach Louisiana. Ich war 17 und zu unreif, um allein in Kalifornien zu bleiben. Nicht davon zu reden, dass es dort extrem teuer ist zu leben. Wir zogen nach Lake Charles, Louisiana, und ich besuchte die Mcneese State University.

 

 

weird: Wie wohl fühlst du dich in deinem Leben und deiner Arbeit in Louisiana heute?

 

Aryka Randall: Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe tolle Freund_innen und für mich haben sich hier im Süden viele Möglichkeiten ergeben. Ich mag es an einem Ort zu leben, an dem ich meinen eigenen Weg gehen und auch für andere den Weg bereiten kann, anstatt Trends hinterher zu laufen und für jemand anderes zu arbeiten. Außerdem ist das Essen hier ziemlich genial. Müsste ich ohne auskommen, hätte ich Entzugserscheinungen!

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (4/2013)

Fotos: JonGunnar Gylfason

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Interview-Steckbrief

- in eigenen Worten -

 

Name: Aryka Randall

Alter: 26

Beruf: Bartender

Wohnort: New Orleans, Louisiana

Meine weirdeste Eigenschaft: Ich bin von allem, was derb ist und „rumspukt“, besessen.

Aryka Randall ist Regisseurin, Produzentin und Autorin der Webserie „Girl Play“. Die Indie-Serie spielt in ihrer Heimatstadt New Orleans und handelt von einer Gruppe junger lesbischer Frauen of Color. Protagonistin ist Olivia Black, 27, eine sich als Femme definierende Publizistin, die von San Francisco nach New Orleans kommt. Alles ist perfekt, außer ihr Liebesleben, denn sie kann ihre Ex-Freundin einfach nicht vergessen. „Girl Play“ läuft seit Januar 2013 auf www.girlplaytv.com und YouTube und ist die erste lesbische Serie von, mit und über lesbische Frauen of Color in den USA. Aryka Randall kam 2004 als 17-Jährige von Kalifornien nach Louisiana. Sie ist Autorin, Medienexpertin und betreibt seit vier Jahren ein lesbisches Online-Magazin bzw. einen Blog, der heute „The Fab Femme“ heißt. „Girl Play“ basiert auf ihrer Blogpostsammlung „Confessions Of A Femme“. Co-Autorin der Serie ist Drehbuchautorin Neira Hayden (24).

 

New Orleans ist mit rund 350 000 Einwohner_inen die größte Stadt des US-Staates Louisiana, gelegen am Golf von Mexiko und dem Mississippi.

 

Im aktuellen Interview mit weird erzählt Aryka Randall warum sie sich dort sehr wohl fühlt, warum sie sich als Femme definiert, wie die Filmarbeiten zu „Girl Play“ waren und was sie mit ihrer Arbeit erreichen will und schon erreicht hat.

 

 

 

Online:

www.girlplaytv.com

www.thefabfemme.com

Ausgabe Nr. 67

Mai 2013

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