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Lesbisch sein …       

 

Around The World

 

 

 

Jenni & Lisa | www.outandaround.com

Interview.

 

 

 

 

 

Einmal um die Welt auf der Suche nach den „Supergays“. Das war die Idee von Jenni und Lisa aus San Francisco. Im Juni 2011 starteten die zwei lesbischen Frauen ihr bislang größtes Abenteuer. Ein ganzes Jahr begaben sie sich auf eine gemeinsame Weltreise durch 16 Länder dieser Erde. Ihre Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen von Argentinien bis Nepal haben Jenni und Lisa mit zahlreichen Fotos und Videos auf ihrer Website www.outandaround.com im Blogstil festgehalten und mit der Welt geteilt. Jetzt soll ein oder auch mehrere Dokumentarfilme (Trailer klick hier) über ihre einjährige Reise, die Gespräche und Treffen mit den „Supergays“ folgen. Premiere für den ersten Film ist im Mai 2013 in Indien. Und geheiratet werden soll auch, und zwar noch in diesem Sommer daheim in der San Francisco Bay Area.

 

Jenni (Foto oben: links) und Lisa (Foto oben: rechts) sind seit gut vier Jahren ein Paar. Im September 2011 feierten sie auf den Philippinen - Lisas Familie ist u. a. philippinischer Herkunft, Jennis chinesisch-taiwanesisch - ihre Verlobung und setzten nicht zuletzt auch damit ein unmissverständliches Zeichen in ihrem Engagement für LGBTQ-Rechte, allen voran die Öffnung der Ehe. Kennen gelernt haben sie sich 2007 bei einem Training für ein HIV Fundraising Event auf dem Rennrad. Radfahren, ein Hobby, was die zwei bis heute verbindet. Ebenso wie das Reisen. Der Traum einer gemeinsamen Weltreise war schnell geboren. Doch ihre Idee ging noch weiter: Jenni und Lisa wollten nicht einfach nur zusammen reisen, sie wollten zugleich lesbisch-schwules-bi-trans-queeres (LGBTQ) Leben in anderen Ländern dokumentieren und Menschen und Aktivist_innen ins Licht rücken, die sich in unterschiedlicher Weise um LGBTQ-Rechte in ihrem Land verdient machen und damit zu Veränderungen beitragen. Sie wollten die Supergays aufspüren. Und sie haben sie gefunden - und wurden dabei selbst zu Supergays.

 

Seit Juni 2012 sind sie zurück in ihrer Heimat San Francisco, wo sie im Sunset District im Haus von Lisas Großeltern leben. weird hatte die Chance Jenni und Lisa nach ihrer Rückkehr in die USA ein paar Fragen zu stellen. Hier sind ihre Antworten:

 

weird: Wie genau kamt ihr auf die Idee eurer Reise?

 

Jenni: Ich wollte schon sehr lange um die Welt reisen. Als Lisa und ich zusammenkamen, wusste ich, dass ich in ihr die richtige Partnerin für die Reise gefunden hatte. Aber wir wollten nicht nur ein Jahr Touristinnen sein, sondern lieber unseren Trip nutzen, um etwas in der Welt zu verändern. Wir haben „Out and Around“ ins  Leben gerufen, um unsere LGBT Community zu stärken, in dem wir unsere Erfahrung als um die Welt reisendes lesbisches Paar, das auf queere Menschen rund um den Globus traf, mit ihr teilten.

 

Lisa: Diese Projekt ist immer größer und größer geworden. Wir haben über 50 Interviews mit LGBT Führungspersonen aus der ganzen Welt geführt. Wir haben gebloggt und Videos gedreht. Einer unserer Filme hat im Mai 2013 Premiere beim Mumbai International Queer Film Festival.

 

 

weird: Was genau ist ein „Supergay“?

 

Jenni: Wir definieren Supergays als Individuen, die als Führungspersonen die LGBT Gleichstellung in ihren Ländern bringen. Supergays sind entweder direkt in Organisationen involviert oder sie nutzen ihren Einfluss auf Politik, Gesundheit, Kunst, Unterhaltung oder Wirtschaft, um das Bewusstsein zu stärken und einen Fortschritt hinsichtlich lesbisch-schwuler-bi-trans Themen zu erreichen.

 

Lisa: Wir haben dabei wirklich versucht so „inclusive“ wie möglich zu sein und haben Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender für Interviews gefunden.

 

 

weird: Wie habt ihr die Leute, die „Supergays” vor Ort aufgetan?

 

Lisa: Einigen unserer Supergays wurden wir durch Freund_innen von Freund_innen von Freund_innen vorgestellt. Wir haben zahlreiche internationale LGBT Organisationen kontaktiert. Andere haben wir gefunden, in dem wir LGBT bezogene Zeitungsberichte gegooglet haben. Einige haben wir aber auch erst in letzter Minute aufgetan, da Superheld_innen meistens in Rudeln arbeiten.

 

 

weird: Wie haben die Leute, die ihr getroffen habt, auf eure Idee reagiert?

 

Jenni: Für uns war es extrem einfach Leute zu finden, die zu einem Interview ja gesagt haben. Die Menschen wollen sich gerne auf weltweiter Ebene vernetzen. Ihnen gefällt die Idee einer internationalen Gemeinschaft.

 

 

weird: Seid ihr auch von irgendjemandem auf eurer Reise zurückgewiesen worden?

 

Lisa: Nein. Einzig in Tansania haben wir niemanden für ein Gespräch finden können. Das Land ist recht konservativ. Ein_e LGBT Aktivist_in zu sein, heißt hier häufig, das eigene Leben zu riskieren.

 

 

weird: Habt ihr Freundschaften auf eurer Reise geschlossen?

 

Lisa: Absolut. Die Leute war sehr großzügig uns gegenüber. Sie haben uns angeboten, uns bei sich aufzunehmen oder mehrere Stunden mit ihnen zu verbringen. Wir haben die ganze Zeit nur von der „gay Family“ gesprochen. Es fühlte sich wirklich an wie eine lesbisch-schwule-bi-trans Großfamilie, mit der man auf der Reise in Kontakt trat. Wir hoffen, dass viele der Leute, die wir getroffen haben, uns eines Tages in San Francisco besuchen werden.

 

 

weird: Wie habt ihr eure Route bzw. die Länder, in die ihr auf eurer Weltreise reisen wolltet, ausgewählt?

 

Jenni: Wir hatten für die Auswahl unserer Reiseroute vier Kriterien ...

 

Orte, an denen die LGBT Bewegung gerade beginnt Konturen anzunehmen. Wir waren daran interessiert, queeres Leben in Gesellschaften zu dokumentieren, in denen das LGBT-Bewusstsein noch im Entstehen begriffen ist. Unser Ziel war es, die mutigen Seelen zu finden, die die federführende Obhut für gay Rechte übernehmen und ihre Geschichte erzählen.

 

Orte, an denen wir die Sprache sprechen. Lisa spricht zum Glück fließend Spanisch und ich fließend Chinesisch, und wir sprechen beide natürlich Englisch.

 

Orte, an denen wir mit unseren US-Dollars möglichst lange und gut auskommen würden. Das bedeutete, dass wir fast ausschließlich in Entwicklungsländer gereist sind.

 

Orte, mit bestehenden aufregenden Kontakten. Wir sind an einige Orte zurückgekehrt, an denen wir schon Freundschaften von früheren Reisen hatten. Wir haben außerdem Orte besucht, wo wir Familie haben wie Lisa in Australien und auf den Philippinen und ich in Taiwan.

 

 

weird: Was hat euch am besten auf eurer Reise gefallen? Gab es etwas, was alles getoppt hat?

 

Jenni & Lisa: Wir haben gerade einen Post „Unser Bestes und Schlimmstes“ (Our Best and Worst of Around the World) geschrieben, worin wir über unsere Lieblingsorte, -gerichte und vor allem Reiseerlebnisse reden. Es ist sehr schwer, das in einem Satz zusammenzufassen. (Wir haben es rechts stehend trotzdem versucht. Anm. d. Red.)

 

 

weird: Ihr habt viel erlebt und dabei aber natürlich auch viel über Homosexualität in anderen Ländern erfahren. Hat sich euer Blick darauf dadurch in irgendeiner Weise verändert?

 

Jenni: Wir hatten viele Momente, die uns das Herz brachen, als wir den Kampf queerer Menschen in Entwicklungsländern miterlebten In Kenia haben wir viele LGBT Aktivist_innen getroffen, die Morddrohungen erhalten haben. Wenn man aus einer Großstadt aus der westlichen Welt kommt, kann man ein blühendes Leben führen und vergessen, dass der Kampf längst nicht vorbei ist. Wir müssen uns mobilisieren, um für weltweite Gleichstellungsrechte zu kämpfen.

 

Lisa: In dem einen Jahr, in dem wir weg waren, haben wir Hillary Clinton (US-Außenministerin) gehört, die die UN (Vereinten Nationen) mit den Worten: „Gay rights are human rights“ (auf Deutsch: „Lesbisch-schwule Rechte sind Menschenrechte“, Anm. d. Red.) anrief. Wir haben auch den US-Präsidenten Obama gesehen, der Widerstand für eine Gleichstellung der Ehe geleistet hat. Wenn führende Politiker_innen der Welt für gay Rechte einstehen, können weitreichende Veränderungen stattfinden. Wir sind sehr hoffnungsvoll, was die weltweite Bewegung angeht.

 

 

weird: Ihr habt auf eurer Reise viele Supergays gefunden, würdet ihr sagen es gab eine_n Super-Supergay, der/die euch besonders beeindruckt hat?

 

Lisa: Wir haben ein Interview mit Prinz Manvendra Singh Gohil geführt. Er ist das erste Mitglied, der königlichen indischen Familie, das sich als homosexuell geoutet hat. Obwohl seine Familie ihn öffentlich verleugnet, konzentriert er seine Energie darauf, eine wichtige nicht-staatliche Organisation (NGO) für HIV/AIDS zu gründen, was eine Riesenwirkung auf die gay Community ausübt. Er hat uns zu sich in seinen Palast eingeladen. Ich würde ihn eines Tages gerne beim Wort und das Angebot annehmen!

 

 

 

 

Interview: Christine Stonat (7/2012)

Fotos: © Jenni & Lisa www.outandaround.com

 

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Name: Lisa Dazols (links)

Beruf: Business Managerin

Wohnort: San Francisco

Online: www.outandaround.com

www.youtube.com/jenniandlisa

 

Name: Jenni Chang (rechts)

Beruf: Sozialarbeiterin

Wohnort: San Francisco

Online: www.outandaround.com

www.youtube.com/jenniandlisa

 

Ausgabe Nr. 58

August 2012

Lisa und Jenni in Nepal. Insgesamt waren es 16 Länder, die das Paar von Juni 2011 bis Juni 2012 bereiste: Mexiko, Peru, Chile, Argentinien, Brasilien, Kenia, Tansania, Indien, China, Nepal, Taiwan, Kambodscha, Philippinen, Indonesien, Australien, Neuseeland.

Lisa und Jenni in Argentinien. Sie haben auf der Suche nach den Supergays alle Kontinente bereist. Einzig Europa fehlte bei ihrer „not so straighten“ Reise um die Welt.

„Superheld_innen arbeiten meistens im Rudel.“

„Es war wie eine Großfamilie, mit der man auf der Reise in Kontakt trat.“

„Bester Strand: Boracay, Philippinen (Jenni), Sansibar/Tansania (Lisa). Schlimmste Stadt: Agra, Indien ...“

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